Oliver Hirschbiegel erzählt vom Hitler-Attentäter "Elser"

Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale

Mut zum Widerstand: Der vierte und letzte deutsche Berlinale Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale würdigt den Hitler-Attentäter Georg Elser. Über dem Film von Regisseur Oliver Hirschbiegel schwebt die "Was wäre gewesen, wenn"-Frage.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 12.02.2015, 16:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Oliver Hirschbiegel erzählt vom Hitler-Attentäter "Elser"

Christian Friedel spielt Georg Elser (Mitte). Der Film kommt am 9. April in die Kinos.

Wenn die Schwester von Sophie Scholl nach dem Krieg in Ulm spazieren ging, wechselten viele Passanten lieber die Straßenseite. Nicht als Verwandte einer Heldin des Widerstands wurde sie gesehen, sondern einer Vaterlandsverräterin. So ein Geist herrschte damals noch.

Außer Konkurrenz

Diese Geschichte erzählt der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer auf der Pressekonferenz in Berlin. „Und Georg Elser“, fährt er fort, „ist bis heute verfemt“. Dabei sollte der Mann, findet auch Regisseur Oliver Hirschbiegel, im deutschen Gedenken „mindestens auf einer Stufe mit Stauffenberg stehen“.

Der Autor, der Regisseur und das Ensemble (Christian Friedel, Burghart Klaussner, Katharina Schüttler und Johann von Bülow) stellen auf der Berlinale ihr Drama „Elser“ vor. Es ist der vierte und letzte deutsche Film im Wettbewerb, wie schon „Everything Will Be Fine“ von Wim Wenders läuft er außer Konkurrenz.

Spezialist für Stoffe aus der Nazizeit

Hirschbiegel, seit „Der Untergang“ als Spezialist für Stoffe aus der Nazizeit gehandelt, erzählt von Georg Elser, der bereits 1939 ahnt, welche Katastrophe Hitler über die Welt bringen wird. Eine tolle Szene im Film, wie der einfache Zimmermann (Friedel) inmitten einer euphorischen Bierzeltmenge, die sich von den Nazis Volksempfänger, elektrische Straßenbeleuchtung und das Blaue vom Himmel versprechen lässt, ganz allein steht. Elser plant, den „Führer“ in die Luft zu jagen und platziert eine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller. Die detoniert zwar. Verpasst Hitler jedoch um 13 Minuten.

Die „Was wäre gewesen, wenn“-Frage schwebt natürlich über diesem Film. Elser wird von der Gestapo gefasst und über Jahre gefoltert – bisweilen schwer erträgliche Szenen. Aber Hirschbiegel entwirft auch das stimmige Portrait eines Mannes, der nah dran war, die Welt zu verändern. Das Kino kann die Zeit nicht zurückdrehen. Aber Geschichte lebendig werden lassen.