Onkel und Oma sind verrückt nach der begabten Mary

Kino: "Begabt - die Gleichung eines Lebens"

Heute wittern Eltern in ihren Sprösslingen schnell das Genie und sehen in vermeintlicher Hochbegabung den Beweis für die eigenen Premium-Gene. Glaubt man den Erzeugern, dann wimmeln unsere Kitas vor Wunderkindern, Rohdiamanten, die man bloß schleifen muss. Das Mädchen, von dem Regisseur Marc Webb im Film "Begabt - die Gleichung eines Lebens" erzählt, ist zweifellos ein Ausnahmetalent.

14.07.2017, 14:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Onkel und Oma sind verrückt nach der begabten Mary

Mary (Mckenna Grace) und Onkel Frank (Chris Evans) machen sich einen schönen Tag am Strand.

Die siebenjährige Mary (toll: Mckenna Grace) liest Mathe-Bücher wie andere Kinder Comics und löst aus Spaß am Denken komplexe Differentialgleichungen. "Begabt - die Gleichung eines Lebens" ist ein amerikanisches Familienstück, halb Drama, halb Komödie, das deshalb ins Herz trifft, weil es ungewohnte Töne anschlägt.

Der Film porträtiert eben kein spleeniges, autistisches, gehänseltes Kind mit Sonderbegabung, das es den Mittelmäßigen und Doofen zeigt, alle Hürden nimmt und am Ende als gefeierter Star dasteht.

Superhirn will normal sein

Marc Webb erzählt von einem Superhirn, das trotz seiner Talente ein ganz normales Kind sein will und darin von seinem Onkel Frank (Chris Evans) bestärkt wird. Mary ist die Tochter seiner Schwester. Frank nahm sie auf, als die Schwester vor sieben Jahren sich das Leben nahm.

Die war auch ein Mathe-Genie, das von der Mutter (Lindsay Duncan) gedrillt wurde und daran zerbrach. Den Zwang zur Höchstleistung will Frank der Nichte ersparen. Seine Mutter klagt um das Sorgerecht, vor Gericht beginnt das Tauziehen um Mary.

Liebenswerter Onkel, ehrgeizige Oma

Hier der liebenswerte Onkel, dort die ehrgeizige Oma. Dazwischen die arme Mary, die nach dem Urteil eine bittere Pille schlucken muss. Auch wenn die Sympathielenkung offensichtlich ist, knetet der Film uns emotional ordentlich durch.

Alle Farben der Gefühlspalette sind dabei, Kummer, Rührung, Jubilieren, grober Schnulzenkitsch bleibt aber außen vor. Gut gemacht, geht in Ordnung.

 

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