Opel-Beschäftigte wollen nicht umziehen

Fehlerhaftes Verfahren kritisiert

Nach der Schließung des Bochumer Opelwerkes landeten die meisten Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft. Eine Minderheit kämpft jetzt vor Gericht. Sie wollen keinen Job in anderen Opel-Fabriken in Hessen oder Thüringen und sagen: "In Bochum gibt es genug Arbeit für uns."

BOCHUM

17.03.2015, 08:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Opel-Beschäftigte wollen nicht umziehen

Nach dem Aus für das Bochumer Opelwerk klagen ehemalige Mitarbeiter nun auf Weiterbeschäftigung.

„Wir gehen, so weit es geht - notfalls bis zum Bundesarbeitsgericht“, sagte am Dienstag in Bochum einer der ehemaligen Mitarbeiter, die auf Weiterbeschäftigung klagen. Opel hatte 39 Bochumer Beschäftigte entlassen, die nicht in die mit der Gewerkschaft verhandelte Transfergesellschaft wechseln wollten. Dagegen werden wohl alle Betroffenen vor Gericht ziehen. Am Dienstag wurden neun Prozesse zunächst im Güteverfahren verhandelt.

Null Bock auf Rüsselsheim

Die Kläger lehnen auch einen Wechsel von Bochum zum Opel-Stammsitz in Rüsselsheim oder in die Eisenacher Fabrik ab, wie vor Gericht deutlich wurde. „Ich will doch nicht in Rüsselsheim oder Eisenach versauern“, sagte ein Kläger. Er fürchte, als Jobpendler über die große Distanz seine Familie zu verlieren. Eine andere Klägerin sagte, sie müsse sich als Alleinerziehende um ihre Tochter kümmern. Opel hatte den Beschäftigten einen solchen Wechsel angeboten.

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Die Kläger wollen im zentralen Opel-Ersatzteillager unterkommen, das mit 700 Arbeitsplätzen in Bochum weiter betrieben wird - allerdings nicht von Opel selbst, sondern vom Opel-Partnerunternehmen Neovia. Rund 300 Opel-Beschäftigte aus der früheren Produktion hatten in dem Ersatzteillager neue Jobs gefunden. Für den Wechsel gab es eine Sozialauswahl unter Beteiligung der Arbeitnehmervertreter.

Mehrere Kläger halten das Verfahren aber für fehlerhaft. Er hätte nach den Sozialauswahlkriterien für den Wechsel in das Ersatzteillager wie Alter und Dauer der Beschäftigung auf jeden Fall berücksichtigt werden müssen, sagte einer der Kläger, der nach eigenen Angaben seit 26 Jahren im Betrieb und schwerbehindert ist und obendrein ein Betriebsratsmandat hat. „Opel ist ja nicht weg. Es gibt hier noch genug Arbeit“, sagte eine andere Klägerin.

Eigenständiges Unternehmen

Aus Sicht des Unternehmens ist Neovia ein eigenständiges Unternehmen, an dem Opel nur eine 20-Prozent-Minderheitsbeteiligung hält, wie der Opel-Anwalt vor Gericht sagte. Neovia könne deshalb über die einmalige Übernahme von 300 Beschäftigten hinaus nicht verpflichtet werden, noch weitere Mitarbeiter aufzunehmen. Opel hatte das Ruhrgebiets-Werk mit zuletzt rund 3.300 Beschäftigten zum Jahresende wegen Überkapazitäten geschlossen. Die allermeisten Mitarbeiter wechselten danach in eine Transfergesellschaft und suchen jetzt einen neuen Job. Die Chancen dafür stehen im angespannten Arbeitsmarkt an der Ruhr aber schlecht. 

Von dpa

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