Opel: "Situation ist absolut unzumutbar"

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BOCHUM "Inakzeptabel", "nicht länger hinnehmbar", "absolut unzumutbar" - die Meinungen der Politiker zum geplatzten Verkauf von Opel stimmen überein. "Der Belegschaft diese erneute Hängepartie plausibel zu machen, wird schwierig sein. Erneut sind ihre Zukunftspläne in weite Ferne gerückt", erklärte am Mittwoch Dieter Fleskes, der Vorsitzende der Bochumer SPD-Ratsfraktion.

von Von Nina Vogt

, 04.11.2009, 11:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Oberbürgermeisterin forderte, dass die deutschen Standorte nicht in Frage gestellt werden und ihnen mit einem neuen und langfristig tragfähigen Konzept im Rahmen der Konzernstrategie eine Perspektive gegeben wird. Die OB versprach auch auf politischer Ebene gemeinsam mit den Oberbürgermeistern aus Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern alles zu unternehmen, um die Zukunft der Beschäftigten bei Opel zu sichern. Zügig gelte es für GM jetzt die Pläne zu konkretisieren. Dass diese Pläne eine rosigere Zukunft versprechen als der Verkauf an Magna, das bezweifelt Dieter Fleskes: "Diese Entscheidung lässt Opel wesentlich schlechter dastehen als ein Verkauf an Magna", sagte Fleskes. "Der Verkauf versprach bei allen Opfern zumindest eine Standortsicherung für Bochum." Jetzt ständen ganze Familien wieder vor einer ungewissen Zukunft.

"Was GM jetzt mit dem Werk in Bochum vorhat, kann man wieder nur vermuten", schrieb auch Ingrid Fischbach, MdB der CDU, in einer Stellungnahme.  Fischbach forderte: "GM muss jetzt aufhören, mit der Zukunft der Opelaner zu pokern." Es sei nicht mehr ertragbar, so auch Dieter Fleskes, dass auf den Seelen und den Nerven der Beschäftgigten herumgetrampelt werde. Fleskes ergänzte: "Gerade nach allen schlimmen Ereignissen, die wir hier in Bochum hinter uns haben, ist diese Entscheidung eine Katastrophe für die Stadt." Das Argument der Opel-Mutterfirma für die Entscheidung - das "verbesserte Geschäftsumfeld" - hält Fleskes zudem für äußerst brüchig und angesichts der Wirtschaftslage nicht nachvollziehbar.

So sieht es auch Felix Haltt, stellvertretender Ratsfraktionsvorsitzender der FDP. "Die Beschäftigten wurden um ihre Hoffnungen betrogen", erklärte er weiter. Dass der intensiv geführte Investorenprozess nun einseitig abgebrochen worden sei, sei ein schwerer Rückschlag und eine Enttäuschung. Haltts Blick in die Zukunft ist eher düster: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Planungen von GM keine Opfer vorsehen. Ich gehe eher davon aus, dass für den Standort Bochum schwere Einschnitte bevorstehen." Er selbst habe eine eigenständige Zukunft der europäischen Opel-Standorte, wie sie bei einem Verkauf an Magna vorgesehen war, für das zukunftsträchtigere Modell gehalten. Das FDP-Ratsmitglied warnt schließlich davor, dass GM sich nun aus einem großen Subventionstopf bedienen wolle. "Dagegen wenden wir uns entschieden", so Felix Haltt. 

Nur einen kleinen positiven Aspekt kann der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Klaus Franz, aus der Entscheidung von GM ziehen: "Opel scheint für das Mutterunternehmen offensichtlich ja so attraktiv zu sein, dass nun doch nicht verkauft wird." Dass die Situation für das Bochumer Werk nun aber sehr schwer werde, das ist auch Franz klar. "Diese Entscheidung wird sicherlich dazu führen, dass die Bedeutung des Standorts nicht zunehmen wird, sondern dass mittelfristig viele Arbeitsplätze verloren gehen." Seine Ängste teilt Wolfgang Cordes, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat: "Ich habe große Befürchtungen, dass jetzt nichts mehr von dem gelten wird, was vorher zugesagt wurde", sagte er. Wie ein Spielball müssten sich die Opel-Beschäftigten langsam vorkommen. Cordes betonte trotzdem: "Natürlich stirbt die Hoffung zuletzt, dass GM ein tragfähiges Konzept für einen relevanten Standort Bochum vorlegen wird." Werde dies nicht geschehen, stimmte er Dieter Fleskes zu: "Das wäre nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, sondern auch für die gesamte Stadt." Günter Gleising, Ratssprecher der Sozialen Liste, forderte schließlich: "Statt die Bochumer Opel-Betriebsstätte in Frage zu stellen, muss deren Bestand durch die Entwicklung von umweltverträglichen, ökonomisch sinnvollen und zukunftsträchtigen Produkten gesichert werden."