Oper „Albert Herring“: Ein unbedarfter Maikönig

Musiktheater im Revier

In Gelsenkirchens Musiktheaterplanung hat Intendant Michael Schulz im Visier, Benjamin Brittens Opern insgesamt neu zu entdecken. Da darf auch dessen einzige komische Oper "Albert Herring" nicht fehlen. Das Publikum zeigte sich am Sonntag bei der Premiere erfreut über die Entscheidung.

GELSENKIRCHEN

, 05.05.2014, 13:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Oper „Albert Herring“: Ein unbedarfter Maikönig

Szene aus der Oper "Albert Herring"

Termine 8./10./23./ 25.5., 7.6., 5.7., Karten: Tel.. (0209)  409 72 00.

Die Musik, für nur 14 Instrumentalsolisten konzipiert, ist widerspenstig und unterläuft den Zeitgeist durch heterogene Zitate aus klassischen Zeiten, worüber man damals die Nase rümpfte, seit der Postmoderne aber nun eher schmunzelt. Und das reflektieren Schallauers Gelsenkirchener Inszenierung und der Finne Rauhalammi am Dirigentenpult auf drastisch komödiantische Weise.

Britten ist ein Operngenie: Er hatte die Gabe, seine Ideen fast filmisch zu gestalten, und dabei scherte er sich nicht um puristische Stile. Und genau das muss man heute durchschauen und inszenieren.Die Story: im englischen Küstenstädtchen Loxford sucht eine Kommission von Sittenwächtern vergeblich nach einer moralisch noch intakten Maikönigin.

Die skurrile Lösung: ein Maikönig. Da fällt das Los auf Albert Herring, das unbedarfte Muttersöhnchen einer Gemüsehändlerin. Beim Maifest schütten ihm Jugendliche, die sich emanzipiert vorkommen, Rum ins Saftglas, und Albert erlebt in der Nacht darauf einen Rausch der Befreiung aus den Vorurteilen, in die er sich bislang gefesselt sah.

Und das ist die Quintessenz der absichtsvoll verschrobenen Geschichte: Als tumber Albert erobert der koreanische Tenor Hongjae Lim auf Anhieb die Herzen des Publikums. Um ihn herum singt und agiert ein umfängliches Ensemble von extrem kuriosen Personen, wie Britten sie in englischen Küstendörfern, aus denen er stammt, selbst erlebt hat.

Die Aufführung ist authentisch in Szene gesetzt und ganz unbedingt sehens- und hörenswert. Das Premierenpublikum sparte nicht mit verständigem Beifall.    

Termine 8./10./23./ 25.5., 7.6., 5.7., Karten: Tel.. (0209)  409 72 00.