Opfer auf dem Altar der Kunst

Ballettthriller "Black Swan"

Ballett bis zum Wahnsinn, als selbstzerstörerischer Akt. Ballerina Nina (Natalie Portman) tanzt "Schwanensee", verkörpert den weißen Schwan wie dessen bösen Zwilling, den schwarzen Schwan. Und zerbricht am Charakter-Spagat. Auf dem Altar der Kunst bringt sie ein Blutopfer.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 20.01.2011, 19:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Natalie Portman und Vincent Cassel in "Black Swan".

Natalie Portman und Vincent Cassel in "Black Swan".

Darren Aronofsky hat mit "Black Swan" einen Film aus der Welt des Balletts gemacht. Eigentlich aber nutzt er das Sujet für eine Studie von Besessenheit und Folter des eigenen Körpers. Nina verlangt so sehr nach der Rolle, dass sie in psychotische Zustände driftet. Sie halluziniert ihre dunkle Hälfte herbei, bis der Wahn Oberhand gewinnt. Sie übt, bis die Füße bluten. Finger und Zehen schälen sich, ihr Rücken ist verkratzt. So gesehen passt "Black Swan" in Aronofskys Motivkanon: Delirium wie im Drogen-Drama "Requiem For A Dream", geschundene Körper wie in "The Wrestler" .Reise in eine gequälte Seele "Black Swan" ist Psycho-Thriller, Reise in eine gequälte Seele, ein düsteres Zerrbild des Ballettbetriebs. Es dominieren körnige Bilder dunkler Flure, nicht etwa gelackte Hochglanzmotive. In der Beengtheit eines Kammerspiels beginnt in Ninas Kopf die Paranoia zu flüstern, Aranofsky zollt dem Horror des frühen Polanski ("Ekel") Tribut. Ninas Visionen keimen in einem Pandämonium, für das Aronofsky auffährt, was über Tanztruppen so kolportiert wird: Der Chef der Compagnie (Vincent Cassel) nähert sich den Damen sexuell. Im Ensemble herrschen Neid und Rivalität. Tänzer essen wenig und brechen gern. Wer zu alt ist für die Bühne, wird abserviert. Das Opernhaus, Geisterbahn und Knochenmühle. Portmans Nina, unschuldig, brav, wohnhaft in einem Püppchenzimmer bei einer strengen Mama (Barbara Hershey), taugt zum weißen Schwan. Aber hat sie das Zeug zum schwarzen Vamp? Eine Metamorphose kommt in Gang. - Story schlicht, Umsetzung virtuos. Wahn und Wirklichkeit durchdringen sich. Die Musik (Tschaikowsky und Bearbeitungen davon) verstärkt gekonnt die Stimmungen. Schockmomente greifen Raum, Nina mutiert zur Furie. Kunst und Leben werden eins. Stilistisch überzeugend, inhaltlich plakativ und schwülstig. Natalie Portman aber zeigt eine Top-Vorstellung.