Opfer kann auf Schmerzensgeld hoffen

Gericht fällt Entscheidung

Mehr als fünf Jahre nach einem schrecklichen Missbrauchs-Fall in Bochum kann ein von seinem Vater (54) jahrelang sexuell gedemütigter junger Mann (21) auf mindestens 65.000 Euro Schmerzensgeld hoffen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (OLG) klar gestellt.

BOCHUM

13.07.2015 / Lesedauer: 2 min

Rückblende: Der Vater aus Wattenscheid war am Bochumer Landgericht am 20. August 2010 wegen 173-fachen Kindesmissbrauchs an seinen beiden Söhnen zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Zu Beginn der Übergriffe in den 1990ern waren die Jungen teils erst vier Jahre alt. Tatorte waren die Familienwohnung in Wattenscheid und Gran Canaria, wo der Vater mit den Jungen Urlaub machte.

Der heute 54-jährige Angeklagte hatte die Vorwürfe im Prozess bis zuletzt bestritten. Die Bochumer Richter glaubten jedoch ohne Einschränkung Schilderungen der Söhne. Im Urteil war von "besonders erniedrigenden Taten" die Rede. Noch im Gerichtssaal war der Sexualtäter damals unter wüsten Beschimpfungen für die Opfer von Wachtmeistern in Handschellen gelegt und festgenommen worden.

Keine Prozesskostenbeihilfe

Einer der Söhne hatte seinen Vater im Anschluss auf 100.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Der 9. Zivilsenat am OLG Hamm stellte jetzt klar: Allein aufgrund der strafrechtlichen Verurteilung ist auch im Schadenersatzprozess davon auszugehen, dass der Vater seinem Sohn ein Schmerzensgeld in Höhe von (mindestens) 65.000 Euro schuldet.

Für eben diese Summe versagte das OLG dem verklagten Vater, der bereits 2003 wegen sexuellen Missbrauchs einer Nachhilfeschülerin verurteilt worden war, ausdrücklich die von ihm beantragte finanzielle Prozesskostenhilfe zur Verteidigung (Az: 9 W 68/14).