Opfer konnte die Augen nicht mehr selbstständig öffnen - Urteil für Albtraum-Vergewaltigung

rnLandgericht Bochum

Eine brutale Albtraum-Vergewaltigung in der eigenen Wohnung hat eine lebensfrohe 37-jährige Frau gebrochen. Der Täter brachte die Frau beinahe um. Jetzt hat das Gericht ein Urteil gesprochen.

Bochum

, 08.01.2020, 08:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Acht Monate nach einem brutalen Vergewaltigungs-Martyrium in Herne und mehr als zweieinhalb Jahre nach einem Gewaltexzess in Essen ist der 20-jährige Täter am Dienstag am Bochumer Landgericht verurteilt worden. Das Gericht entschied auf siebeneinhalb Jahren Jugendhaft.

Richterin Isabel Hoffmann verwies in der Urteilsbegründung auf die dramatischen psychischen Folgen für das Vergewaltigungsopfer. „Von der einst so lebensfrohen und unbefangenen Frau ist heute nicht mehr viel übrig“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Folgen für das Opfer: Panikattacken, Schlaflosigkeit, Umzug

Bis heute leide die Frau an Panikattacken, Schlaflosigkeit, habe sich völlig zurückgezogen und traue sich kaum noch in die Öffentlichkeit. Darüber hinaus habe sie gemeinsam mit ihrem Mann eine neue Wohnung beziehen müssen, weil sie in dem Ort des schrecklichen Geschehens nicht mehr weiterleben konnte.

Der Angeklagte hatte im Prozess vor der 5. Jugendstrafkammer zugegeben, in der Nacht auf den 5. Mai 2019 nach einer gemeinsamen Taxifahrt eine 37-jährige Frau in ihre Wohnung begleitet, sie dort dann zusammengeschlagen, gebissen, mit einem Schal gedrosselt, vergewaltigt und bestohlen zu haben.

Opfer konnte die Augen nicht mehr selbstständig öffnen

Die verheiratete Frau hatte schwerste Verletzungen erlitten. Durch brutale Schläge ins Gesicht waren unter anderem beide Augen so stark zugeschwollen, dass die 37-Jährige sie nicht mehr selbständig öffnen konnte. Mindestens eine Narbe von einer Bisswunde werde das Opfer „ein ganzes Leben an dieses Geschehen erinnern“, hieß es beim Urteil.

„Ich habe den getreten, wie einen Fußball“

Miteinbezogen in das Urteil ist noch ein weiteres Gewaltverbrechen. Der Angeklagte hatte auch zugegeben, am 1. Juli 2017 in Essen an einem S-Bahnhof einen Nachtschwärmer (33) brutal zusammengeschlagen und beraubt haben. Einen Tritt mit Anlauf gegen den Kopf des Opfers (zahlreiche Schädel- und Gesichtsbrüche bedurften einer achtstündigen Not-OP) hatte der Angeklagte im Prozess so beschrieben: „Ich habe den getreten wie einen Fußball.“ Auch dieses Opfer ist bis heute schwer traumatisiert.

Mit der verhängten Haftstrafe blieben die Richter nur leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Anders als Staatsanwalt Dietrich Streßig, der den sexuellen Übergriff als Mordversuch bewertet hatte, stuften Richter diese Tat (mangels des sicheren Nachweises von Tötungsvorsatz) allein als besonders schwere Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Diebstahl ein.

Spätere Sicherungsverwahrung möglich

Neben der Jugendhaftstrafe behielten sich die Richter im Urteil die Anordnung von späterer Sicherungsverwahrung gegen den 20-Jährigen vor. Das sei einerseits zwingende Folge des „hohen Rückfallrisikos“ und des „enormen Aggressionspotenzials“ bei dem bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraften Angeklagten. „Es sind zwei Opfer zu viel“, sagte Richterin Isabel Hoffmann in der Urteilsbegründung. „Es darf niemanden mehr Ähnliches passieren, was diesen zwei Zeugen widerfahren ist.“

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