Opfer springt vier Meter in die Tiefe: Bewährung

Vorfall in Bochumer Unterkunft

Nach einem Gewaltausbruch in einem Bochumer Flüchtlingsheim ist ein 29-jähriger Algerier zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Angeklagte hatte gestanden, im vergangenen April auf einen Mitbewohner eingeschlagen zu haben.

BOCHUM

23.09.2016, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst mit Fäusten, dann mit einer rund 70 Zentimeter langen Alustange und schließlich auch noch mit einem Gürtel. Außerdem hatte er seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten genommen – und zwar so lange, bis dem anderen Mann ganz schwarz vor Augen wurde. "Er hatte Todesangst", hieß es am Donnerstag im Prozess vor dem Bochumer Amtsgericht. Selbst fragen konnte man das Opfer allerdings nicht mehr. Der ehemalige Bewohner der Flüchtlingsunterkunft im Bochumer Norden ist nämlich spurlos verschwunden. Nach Angaben des Gerichts wird nach dem Mann sogar gefahndet – wegen des Vorwurfs anderer Straftaten.

Beweise vorhanden

Beweise für den Prügelangriff gab es trotzdem. Ein Arzt hatte nach der Tat jede Menge Fotos gemacht. Darauf war der Oberkörper des Opfers zu sehen, übersät mit roten Striemen. Sogar die Schnalle des Gürtels war auf den Bildern noch zu erkennen. Außerdem hatten sich in den Augen schon rote Punktblutungen gebildet – sichere Anzeichen für akute Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb ursprünglich sogar wegen versuchten Totschlags ermittelt.

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Der Angeklagte war nach der Tat dann auch sofort festgenommen worden. Erst nach der Urteilsverkündung kam er wieder auf freien Fuß. Das hatte er sich zuvor allerdings auch erarbeitet. Trotz unsicherer Beweislage (das Opfer war ja nicht anwesend) hatte sich der 29-Jährige dazu durchgerungen, ein Geständnis abzulegen.

Ein Zeuge

Der Angeklagte und sein späteres Opfer hatten sich damals eigentlich zum Essen verabredet. Doch dann gab es plötzlich Streit. Während des folgenden Gerangels war dem 29-Jährigen eine kleine Pieks-Verletzung an der Leiste zugefügt worden. Daraufhin hatte er zu Gürtel und Alustange gegriffen. „Das war kein einseitiger Angriff“, befanden auch die Richter.

Der andere Mann war damals in völliger Panik aus dem Fenster gesprungen – vier Meter in die Tiefe. Dabei hatte er sich dann aber zum Glück nicht weiter verletzt. Das Urteil des Bochumer Amtsgerichts lautet auf gefährliche Körperverletzung. 

Kurios am Rande: Obwohl die Richter wegen fehlender Adressen auch keine anderen Zeugen laden konnten, war trotzdem ein Zeuge erschienen. Er hatte vom Bochumer Ausländeramt von dem Prozess erfahren.