Orient tanzte im Saalbau

Türkische Staatsoper

Orient trifft Okzident: Die türkische Staatsoper und das Ballett aus Ankara sangen und tanzten am Freitag im Saalbau nicht nur von Istanbul, sondern schlugen - wie die Stadt auf zwei Kontinenten - eine Brücke.

WITTEN

von Von Dietmar Bock

, 17.06.2012, 11:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bereits im Foyer des Saalbaus wurden die Besucher mit stimmungsvollen Tänzen empfangen.

Bereits im Foyer des Saalbaus wurden die Besucher mit stimmungsvollen Tänzen empfangen.

Im großen Saal indes läutete Sadi Erdogan, Leiter der Staatsoper und des Balletts aus der türkischen Hauptstadt, die historische Reise durch Anatolien ein. Als Erzähler, die Handglocke schwingend. Und vor tollen Bergpanoramen, dank Beamer-Einspielung. Das Publikum sollte mitmachen, eins werden mit den Protagonisten. Die überwiegend türkischen Besucher ließen sich da nicht zweimal bitten. Galant bis deftig

Regisseur Erdogan fungierte als Erzähler und Sänger, der die höchst unterschiedlichen Aspekte Anatoliens galant bis deftig deutlich, stets jedoch sehr anschaulich und phonetisch einzigartig parlierend, zu einem passenden, sehr stimmungsvollen Türkei-Puzzle, inklusive eines starken Schattentheaters, zusammenfügte. Die orientalische Erzählkultur diente als roter Faden, der selbst Hochzeitsszenen und kriegerische Auseinandersetzungen engmaschig verwebte. Mit Liedern klangvoll zu Gehör gebracht und tänzerisch ausdrucksstark bestens in Szene gesetzt, ergab dies ein umfangreiches, weit in die Geschichte zurückgehendes Bild Anatoliens. Überragend dabei: Die tief unter die Haut gehenden Bass-Stimmen.

Musikalisch ging es dabei nicht nur orientalisch zu. Neben den typischen Klängen von Saiteninstrumenten und Trommeln waren auch westeuropäische Töne, wie Mozarts „Entführung aus dem Serail“ zu hören. Und auch die spielten die nur acht Musiker der Oper Ankara in höchster Perfektion.

Da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass die in türkischer Sprache dargebotene Aufführung der Lieder - im Gegensatz zu den Erzählungen - keine Untertitel bereit hielt. „Wir haben das versucht“, erläuterte Ufuk Güldü vom Veranstalter „Theater28“. „Doch das hat nicht funktioniert, weil die Lieder ihre eigene Seele haben und nicht eins zu eins zu übersetzen sind.“ Fesselnd war´s auch so.