Immer mehr Schwerlastverkehr, immer mehr Autobahn-Vermeider: Die Belastung in den Dörfern wächst. Zwei Ortsvorsteher wollen nun eine Art Mini-Umgehungsstraße bauen lassen. Ganz chancenlos sind sie damit nicht. Aber sie werden wohl einen langen Atem brauchen.

Mühlhausen, Lünern

, 20.07.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anja Kolar, Ortsvorsteherin von Lünern und Stockum, und ihr Amtskollege Dietmar Griese für Mühlhausen-Uelzen (beide SPD) haben einen gemeinsamen Plan. Sie haben in ihren Dörfern ähnliche Probleme mit dem Straßenverkehr und erhoffen sich eine Lösung für beide von einem Projekt, das zunächst simpel erscheint. Zwischen Lünern und Mühlhausen soll eine Straße ausgebaut werden, damit dichter besiedelte Strecken vom Verkehr entlastet werden.

Unerwünschte Schleichwege zur B1

„Es ist gewaltig, was hier herdonnert“, sagt Kolar. Sowohl ihr als auch anderen Bürgern falle immer mehr unangenehm auf, wie dörfliche Straßen als Abkürzungen genutzt würden. Das gelte insbesondere für die Nordlünerner Straße, wo die Anwohner nördlich des Ruhekopfs betroffen seien. Ihre Einschätzung: Viel Schwerverkehr, der dem Industriegebiet in Alte Heide zuzuordnen ist, nutzt die Strecke als Schleichweg zur B1. Griese wiederum ist in dieser Sache besonders um Mühlhausen besorgt. Er berichtet von einer Zählung des Kreises Unna, wonach täglich 2400 Fahrzeuge auf der Heerener Straße zwischen Heeren und Mühlhausen unterwegs seien.

Ortsvorsteher fordern neue Schleichwegroute von Norden zur B1

Mühlhausen, Heerener Straße in Fahrtrichtung Norden: Viel Verkehr herrscht auf der Einfallstraße ins Dorf, viele Fahrer suchen eine Abkürzung von Norden zur B1. Eine neue Ost-West-Verbindungsstrecke zur Nordlünerner Straße soll dieses Problem lösen, das gleiche Problem in Nordlünern auch. © UDO HENNES

Die Autos führen insbesondere im Berufsverkehr nicht nur zahlreich, sondern teils auch schnell von Norden her ins Dorf. Griese hat vor allem Pendler aus Kamen und Bönen im Verdacht, die die Abkürzung nutzen – ebenfalls zur B1. „Wir müssen diese Verkehre aus den Dörfern herausbekommen“, sagt Griese.

Wirtschaftsweg soll Kreisstraße werden

Die beiden Ortsvorsteher haben nun den Plan, eine Art Vorrangroute für den Durchgangsverkehr einzurichten, die durch den weniger dicht besiedelten Raum zwischen den Dörfern führt. Über die Nordlünerner Straße nach Norden sollte die Durchfahrt für bestimmte Fahrzeuge verboten werden. Der Verkehr soll dort Richtung Westen umgeleitet werden. Diese Trasse ist bisher ein Wirtschaftsweg. Sie soll zu einer Kreisstraße ausgebaut werden. Der Anschluss an die Heerener Straße würde nördlich von Mühlhausen erfolgen. Diese neue Straße, so die Einschätzung der Ortsvorsteher, würde Fahrverbote ermöglichen für Strecken, die vom Verkehr entlastet werden sollen. „Mit dieser kleinen Veränderung könnten viele entlastet werden“, meint Kolar.

Verfahren wäre aufwendig

Beide berichten von einem Gespräch mit dem beim Kreis Unna zuständigen Dezernenten Dr. Detlef Timpe mit dem Ergebnis, dass der Kreis einem solchen Projekt aufgeschlossen gegenüberstehe. Wie „klein“ diese Veränderung tatsächlich wäre, muss sich nun zeigen. Zunächst wird sich der Stadtrat in Unna mit dem Thema beschäftigen. Kolar und Griese haben ihren Vorschlag beim Bürgermeister eingereicht, damit die Ratsgremien sich damit auseinandersetzen. Aus der Kreisverwaltung ist zu vernehmen, dass ein solcher Straßenausbau zumindest mit einem erheblichen Aufwand verbunden wäre. Sehr wahrscheinlich wäre ein Planfeststellungsverfahren erforderlich, bei dem nicht nur der Verkehr untersucht würde, sondern auch Auswirkungen einer neuen Kreisstraße beispielsweise auf Umweltbelange. Erfahrungsgemäß dauert es mehrere Jahre, bis ein solches Verfahren zum Abschluss kommt.

Ortsvorsteher fordern neue Schleichwegroute von Norden zur B1

Die nördliche Verbindung zwischen Heerener- und Nordlünerner Straße ist bisher ein Wirtschaftsweg, offiziell befahrbar nur für Landwirte. © UDO HENNES

Schon jetzt belastet viel Verkehr die Dörfer. Wenn die A44 und das Autobahnkreuz ausgebaut werden, dürfte das Problem sich verschärfen, meint Ortsvorsteherin Kolar. Es sei mit vielen zusätzlichen Fahrzeugen zu rechnen, die die Großbaustelle umfahren, deswegen sei die Einrichtung der geplanten Alternative zwischen B1 und Norden umso wichtiger. Der Autobahnausbau könnte voraussichtlich ab 2024 beginnen. Die Arbeiten sollen nach bisherigen Schätzungen zehn Jahre dauern.