Oscar-Gewinner "Precious" läuft im Kino

Neuer Film

Die Leiden von Precious (Gabourey Sidibe) aus Harlem beginnen mit drei Jahren. Seitdem hat sie ihr leiblicher Vater regelmäßig missbraucht. Nun ist sie 16 Jahre alt, wiegt inzwischen knapp 170 Kilo, ist Analphabetin und erwartet das zweite Kind von ihrem Vergewaltiger.

von Von Klaus-Peter Heß

, 25.03.2010, 19:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Precious (Gabourey Sidibe, l.) will endlich raus aus dem Elend, aber zunächst ist das nur ein Traum.

Precious (Gabourey Sidibe, l.) will endlich raus aus dem Elend, aber zunächst ist das nur ein Traum.

Die Geschichte ist realistisch hart inszeniert, dokumentenecht gespielt, die Bilder sind verwaschen und porös, als habe man die Kopie durch sämtliche Ghettos amerikanischer Großstädte gezogen. „Precious“ ist alles andere als ein Feelgood-Movie und doch ein Film, der ein gutes Gefühl hinterlässt. Precious, „die Kostbare“, „der Schatz“, erhält Hilfe von der engagierten Lehrerin einer Sonderschule. Und sie hilft sich selbst. Sie, „die immer wieder eins aufs Maul bekommt“ – die deutsche Synchronisation versucht den Slang der Unterschicht so gut wie möglich zu vermitteln –, macht nun den Mund auf, beginnt zu reden, zu denken, zu schreiben. Sie wird selbstbewusster.

Tauchten am Anfang noch Traumszenen einer gefeierten Precious-Cinderella auf, so werden sie im Verlauf der Geschichte immer weniger. Der Kampf um die eigene Selbstachtung scheint siegreich zu verlaufen, die Loslösung aus alten Verhältnissen zu gelingen. Precious bringt ihr Kind zur Welt, findet Unterstützung bei einer Sozialarbeiterin, die von einer wagemutigen Mariah Carey ganz ungeschminkt gegen ihr Hochglanz-Popstar-Image gespielt wird. Nicht zuletzt ihr ist es zu verdanken, dass die hässlichen Seiten des Lebens einen wunderbaren Film hervorgebracht haben.

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