Oscar-Kandidat hat Tiefgang einer griechischen Tragödie

Kino: "Zwei Leben"

Mit einer außergewöhnlich bizarren Biografie, die von den Kriegsjahren bis in die jüngste Vergangenheit reicht, bewirbt sich Deutschland in Hollywood um den "Oscar" in der Rubrik "Bester nicht-englischsprachiger Film". Eine gute Wahl, denn "Zwei Leben" hat die Wucht und den Tiefgang einer griechischen Tragödie und zugleich alle Qualitäten hervorragender Kino-Unterhaltung.

20.09.2013, 10:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Katrine (Juliane Köhler) trägt ein Geheimnis mit sich herum, das niemand erfahren darf - vor allem nicht ihre Familie.

Katrine (Juliane Köhler) trägt ein Geheimnis mit sich herum, das niemand erfahren darf - vor allem nicht ihre Familie.

Ein glückliches Leben im falschen. Ein deutscher Anwalt (Ken Duken) taucht auf, der endlich die Angelegenheit der deutsch-norwegischen "Kriegskinder" vor den Europäischen Gerichtshof bringen und auf Wiedergutmachung klagen will. Doch Katrine (herausragend: Juliane Köhler) will nicht über die Vergangenheit reden. Gleich in der ersten Szene des Films, der Katrines Geschichte in nicht-chronologischer Reihenfolge wie ein Puzzle nach und nach zusammenfügt, wird angedeutet warum: Katrine ändert ihr Aussehen, greift zu einem falschen Pass und nimmt in Deutschland Kontakt zu ehemaligen Stasi-Offizieren auf, um sie um Hilfe zu bitten. Diese Frau hat etwas Wichtiges zu verbergen: nämlich ihre wahre Identität und ihren tatsächlichen Lebenslauf. Und noch ein weiteres Schicksal rückt herzzerreißend ins Blickfeld: das einer leidenden Mutter, die wohl zum zweiten, vielleicht sogar zum dritten Mal ihr Kind verlieren wird.

Regisseur und Drehbuchautor Georg Maas hat diese Geschichte nach historischen Tatsachen entwickelt und nach allen Regeln eines spannenden Polit-Thrillers und eines emotional mitreißenden Familien-Dramas inszeniert. Mit einer ausgeklügelten Farbdramaturgie bilden sich verschiedene Handlungsfäden heraus, die zwar immer mehr Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen, sich in der Gegenwart aber zu einem gordischen Knoten zusammenziehen. Konflikt unlösbar. Aus dieser packenden, absolut sehenswerten Geschichte über Verlust, Schuld, Verrat, Loyalität und später Sühne kommt keiner der Beteiligten heil wieder heraus. Richtiges Leben, falsches Leben – wenn es denn so einfach wäre.

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