Outokumpu hat das Bochumer Werk geschlossen

Emotionale letzte Schmelze

Mehr als 100 Jahre der Edelstahlproduktion in Bochum gehen zu Ende. Outokumpu hat am Dienstag das Bochumer Stahlwerk heruntergefahren – um 30 Millionen Euro im Jahr einzusparen. Für die Mitarbeiter war dies "ein grausamer Tag".

BOCHUM

25.06.2015, 05:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Outokumpu hat das Bochumer Werk geschlossen

Outokumpu fuhr Dienstag das Bochumer Stahlwerk herunter.

Anlässlich der letzten Schmelze gab es eine kleine Zeremonie, zu der sich die Mitarbeiter zusammenfanden. Von ursprünglich rund 450 Beschäftigten seien derzeit noch etwa 260 betroffen, sagte ein Unternehmenssprecher. Die IG Metall betonte, dass niemand in die Arbeitslosigkeit entlassen werde. Eine geringe Anzahl von Beschäftigten werde zunächst noch mit Aufräumungsarbeiten weiterbeschäftigt.

Doch nichtsdestotrotz war Dienstag für die Mitarbeiter laut Eva Kerkemeier, Bezirksvorsitzende der IG-Metall Bochum, „ein grausamer Tag.“ Das bestätigt auch der Betriebsratsvorsitzende Frank Klein: „Es war sehr emotional.“ Klein blickt nicht nur auf den Kampf zurück, der hinter den Mitarbeitern des Bochumer Werks liegt, sondern auch auf rund 30 Jahre Werksangehörigkeit. Und er sei kein Einzelfall. Gerade deshalb habe man den Kampf um das Bochumer Werk auch nicht aufgeben wollen – auch wenn viele Mitarbeiter alles andere als einverstanden mit der Entwicklung des Werks unter Outokumpu gewesen seien.

Unzufriedenheit der Belegschaft

2010, noch zu Zeiten von Thyssen-Krupp, waren laut Klein fast 90 Prozent der Belegschaft mit ihrem Arbeitgeber zufrieden gewesen. 2014 waren es nur noch 50 Prozent. Und die Bochumer Belegschaft habe sich bei der jüngsten Abstimmung vorenthalten. „Das hätte keinen Sinn gehabt“, sagte Klein, merkt aber an, dass das Ergebnis so sicher noch schlechter ausgefallen wäre.

Durch die Schließung des Werks rechnet das Unternehmen mit Einsparungen von rund 20 Millionen Euro noch in der zweiten Jahreshälfte 2015 und von jährlich mehr als 30 Millionen Euro ab 2016. Hintergrund seien anhaltende Überkapazitäten in der Edelstahlbranche, sagte der Sprecher. Die Produktion werde in Werke nach Finnland und Schweden verlagert.

„Es macht natürlich traurig, dass wir heute eine Ära der Edelstahlproduktion in Bochum beenden. Aber es ist für uns ein notwendiger Schritt, um innerhalb Europas zu ausgewogenen Produktionskapazitäten zu gelangen“, sagte Dr. Oliver Picht, Vorstandsvorsitzender der Outokumpu Nirosta GmbH in einer Mitteilung des Unternehmens. „Ich danke allen Mitarbeitern des Bochumer Werks ausdrücklich für ihre engagierte Unterstützung, insbesondere auch in den vergangenen zwei Jahren. Es war für uns von größter Bedeutung, dass für alle Anschlussbeschäftigungen oder weitere gute Lösungen gefunden werden konnten und keiner in die Arbeitslosigkeit gehen muss.“

Die Schließung des Stahlwerks in Bochum sowie die Einstellung der Flüssigphase in Krefeld Ende 2013 seien wesentliche Elemente des Restrukturierungsprozesses, teilte das Unternehmen mit. Damit realisiere es wichtige Synergien aus dem Zusammenschluss mit Inoxum.

Einsparungen von 100 Millionen Euro sind das Ziel

Zudem sei die Schließung des Stahlwerks in Bochum Teil des europäischen Restrukturierungsprogramms von Outokumpu, das die Einsparung von 100 Millionen Euro bis Ende 2017 zur Vorgabe hat. Das sorgte in Bochum nicht für Verständnis. Kerkemeier hat dabei nicht nur die Mitarbeiter im Blick. Auch für Bochum selbst habe der Verlust des Stahlwerks laut ihr in Zukunft ganz sicher Auswirkungen, unter anderem auf die Industrie und die medizinische Versorgung. Denn wo Bochum bisher sozusagen direkt an der Quelle saß, wenn hochwertiger Stahl oder Edelstahl benötigt wurden, muss man sich nun „hinten anstellen“. Und dann seien da natürlich noch 450 wertvolle Arbeitsplätze, die „unwiderruflich verloren gehen“, so Kerkemeier.

mit Material von dpa

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