Pandemie, Epidemie, Endemie – was ist der Unterschied?

Weltgesundheitsorganisation

Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt infizieren sich mit dem Coronavirus. Ab wann spricht man von einer Pandemie? Und was ist der Unterschied zur Epidemie? Das sind die Definitionen.

Hannover

08.03.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Handelt es sich beim Coronavirus um eine Pandemie? Und was ist der Unterschied zwischen einer Epidemie und einer Endemie?

Handelt es sich beim Coronavirus um eine Pandemie? Und was ist der Unterschied zwischen einer Epidemie und einer Endemie? © Felix Kästle/dpa

Das als Sars-CoV-2 bezeichnete Coronavirus greift um sich. In China, in Südkorea, im Iran, in Italien und weiteren Ländern mehren sich Krankheits- und Todesfälle, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht weiterhin von einer Epidemie in einzelnen Ländern (Stand: 24. Februar). Virologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité befürchten allerdings schon länger eine Pandemie. Wie genau unterscheidet sich eine Pandemie von einer Epidemie beziehungsweise Endemie?

Ausbreitung der Krankheit ist entscheidend

Am einfachsten lässt sich der Unterschied anhand des zeitlichen und geografischen Ausmaßes einer Erkrankung erklären. Letztlich handelt es sich bei allen drei Begriffen um einen Krankheitsausbruch, jedoch mit unterschiedlichem Schweregrad.

Endemie: Definition

Eine Endemie beschreibt das zeitlich und örtlich begrenzte Auftreten einer Erkrankung, meist innerhalb einer bestimmten Region oder Personengruppe. Entscheidend ist dabei, dass die Krankheit in der umschriebenen Population oder Region dauerhaft in erhöhtem Maße auftritt. Die betreffende Region wird Endemiegebiet genannt.

Ein Beispiel für eine Endemie ist Malaria. Das Tropenfieber ist in rund hundert Ländern auf unterschiedlichem Niveau endemisch, tritt in den betreffenden Gebieten also fortwährend gehäuft auf.

Epidemie: Definition

Im Gegensatz zur Endemie beschreibt die Epidemie das vorübergehende und erst seit Kurzem festgestellte Auftreten einer Erkrankung. Entscheidend ist hierbei, dass eine deutliche Zunahme von Prävalenz (Häufigkeit der Krankheit) und Inzidenz (Häufigkeit der Neuerkrankung) vorliegt. Wie die Endemie, so zeichnet sich auch die Epidemie zudem durch ihre regionale Beschränktheit aus.

Bei einer Epidemie handelt es sich somit um eine unkontrollierte Ausbreitung einer Erkrankung, die aber immer noch innerhalb einer bestimmten Region, beispielsweise innerhalb eines Landes oder einer Ländergruppe, auftritt.

Ein Beispiel für eine Epidemie ist das Ebolafieber, an dem zwischen 2014 und 2016 in mehreren Staaten Westafrikas mehr als 28.000 Menschen erkrankten und in dessen Folge mehr als 11.000 Menschen starben.

Pandemie: Definition

Von einer Pandemie schließlich ist die Rede, wenn eine Erkrankung örtlich unbegrenzt ausbricht, also potenziell auf der ganzen Welt auftreten kann. Pandemien betreffen eine dementsprechend große Anzahl von Menschen und können eine globale Gesundheitskrise auslösen.

Eine solche, mehrere Kontinente umfassende Ausbreitung ist nur möglich, wenn die Erreger der Krankheit von Mensch zu Mensch übertragbar sind und etwa über Transportmittel wie Flugzeuge schnell in geografisch weit voneinander entfernte Gebiete getragen werden können.

Beispiele für Pandemien in der jüngeren Vergangenheit waren die Atemwegserkrankung Sars, der zwischen 2002 und 2003 weltweit rund 1000 Menschen zum Opfer fielen, und die Schweinegrippe, an der weltweit mehr als 18.000 Menschen starben.

Epidemie oder Pandemie?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt sechs Phasen von Influenza-Pandemien:

„Interpandemische Phase“

  • Phase 1: Noch kein neuer Virussubtyp beim Menschen festgestellt. Ein Subtyp, der eine Infektion beim Menschen verursacht hat, kann bei Tieren vorhanden sein. Sofern in Tieren festgestellt, wird das Risiko einer Infektion oder Krankheit des Menschen als gering eingeschätzt.
  • Phase 2: Noch keine neuen Virussubtypen im Menschen entdeckt. Allerdings stellt ein unter Tieren zirkulierender Subtyp ein erhebliches Risiko für die menschliche Erkrankung dar.

„Pandemische Alarmphase“

  • Phase 3: Infizierung des Menschen mit neuem Subtyp, aber keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung – höchstens in seltenen Fällen bei engem zwischenmenschlichem Kontakt.
  • Phase 4: Kleine Cluster mit begrenzter Mensch-zu-Mensch-Übertragung, jedoch stark lokal begrenzte Ausbreitung, was darauf schließen lässt, dass das Virus nicht gut an den Menschen angepasst ist.
  • Phase 5: Große Cluster, aber immer noch lokal begrenzte Ausbreitung, was darauf schließen lässt, dass sich das Virus besser an den Menschen anpasst. In dieser Phase spricht man auch von einem erheblichen pandemischen Risiko (englisch: „substantial pandemic risk“).

„Pandemische Phase“

  • Phase 6: Verlauf der Pandemie. Erhöhte und anhaltende Übertragung in der allgemeinen Bevölkerung.

RND/pf

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