Papst Franziskus: „Gott liebt auch den schlimmsten Menschen“

Weihnachtsansprache

Es ist bereits das siebte Weihnachtsfest als Papst für Franziskus. Der Pontifex betonte bei der traditionellen Christmette in Rom vor allem die Bedeutung der Selbstlosigkeit.

Rom

25.12.2019, 09:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sein siebtes Weihnachtsfest als Papst: Franziskus hält bei der Christmette an Heiligabend im Petersdom eine Rede.

Sein siebtes Weihnachtsfest als Papst: Franziskus hält bei der Christmette an Heiligabend im Petersdom eine Rede. © dpa

Papst Franziskus hat die Menschen zu Weihnachten zu selbstloser Mitmenschlichkeit aufgerufen. „Warten auch wir nicht darauf, dass der Nächste rechtschaffen wird, um ihm Gutes zu tun, dass die Kirche vollkommen sei, um sie zu lieben, dass die anderen dafür, dass wir ihnen dienen, uns achten. Fangen wir an“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei der traditionellen Christmette am Dienstabend im Petersdom in Rom.

Vergleich mit der Zeit Christi

In der Geburtskirche in Bethlehem wagte Erzbischof Pierbattista Pizzaballa einen Vergleich der Zeit Christi mit der heutigen Welt - und sah kaum Unterschiede.

Zu Heiligabend hob Franziskus die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft hervor. „Weihnachten erinnert uns, dass Gott fortfährt, jeden Menschen zu lieben, auch den schlimmsten“, sagte er. Christen feiern an Weihnachten die Geburt des Religionsstifters Jesus Christus, in dem nach christlichem Glauben Gott Mensch wurde. „In Jesus hat sich Gott zum Kind gemacht, um sich von uns umarmen zu lassen“, sagte der Papst.

Gottes Liebe sei nicht an Bedingungen geknüpft

Gottes Liebe zu den Menschen sei nicht an Bedingungen geknüpft. „Wie oft denken wir, dass Gott gut ist, wenn wir gut sind, und dass er uns straft, wenn wir böse sind. So ist es nicht“, sagte Franziskus.

Franziskus betrat die Basilika kurz vor 21.30 Uhr hinter einer Prozession goldgewandeter Kardinäle. Vor Beginn der Messe enthüllte er eine Christkindfigur. Zwölf Kinder aus Italien, Japan, Venezuela, Kenia, Uganda, den Philippinen und dem Irak legten Blumen rundherum.

Für Franziskus, der in der vorigen Woche 83 Jahre alt wurde, ist es dieses Jahr die siebte Weihnachtsfeier als Oberhaupt der katholischen Kirche. Der frühere Erzbischof von Buenos Aires war im März 2013 als Nachfolger des zurückgetretenen Benedikt XVI. zum Pontifex gewählt worden. Den traditionellen päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ spendet er am Mittwoch, dem ersten Weihnachtsfeiertag.

„Mensch hat sich nicht viel geändert“

Auch im Heiligen Land wurde Weihnachten am Dienstag festlich begangen. Von Jerusalem fuhr ein Konvoi aus etwa 40 Fahrzeugen ins knapp zehn Kilometer entfernte Bethlehem im Westjordanland. Die Prozession wurde vom Leiter des katholischen Patriarchats im Heiligen Land, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, angeführt.

Auf dem Krippenplatz in Bethlehem im Westjordanland wurde die Prozession feierlich empfangen. Pizzaballa, ein italienischer Franziskaner, zelebrierte am Abend in Bethlehem die Mitternachtsmesse, zu der auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erschien.

Laut dem Evangelisten Lukas wurde Jesus in Bethlehem geboren und in eine Krippe gelegt. Die Geburtskirche steht am vermuteten Ort. Jerusalem wiederum ist der Bibel zufolge der Ort von Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Forscher sehen jedoch allerhand Anzeichen, dass Jesus tatsächlich in Nazareth geboren wurde.

In seiner Predigt verglich Pizzaballa die Zeiten von damals und heute. „Lasst uns daran denken, dass die Zeit von Jesus nicht besser als unsere war. Damals gab es die Besetzung durch die Römer, es gab Herodes und es gab verschiedene Machtzentren“, sagte er. „Alles in allem gesehen, hat sich der Mensch seitdem nicht viel geändert.“