Parken auf dem Lütgendortmunder Marktplatz umstritten

Stimmungsbild

Parken auf dem Lütgendortmunder Marktplatz: Eine klare Mehrheit für oder gegen die autofreie Variante gibt es nicht. Das haben Gespräche der Redaktion mit Menschen vor Ort, die Diskussionen in den sozialen Netzwerken und unsere nicht repräsentative Online-Umfrage gezeigt. Ein Überblick.

LÜTGENDORTMUND

, 24.02.2017, 06:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aktuell wird deshalb über die Öffnung des Marktplatzes zur Schaffung weiteren Parkraums diskutiert.

Aktuell wird deshalb über die Öffnung des Marktplatzes zur Schaffung weiteren Parkraums diskutiert.

Das hat die Diskussion ausgelöst:

Die Ende Januar begonnenen Bauarbeiten für den neuen Rewe-Markt haben alle 189 Parkplätze an der Lütgendortmunder Straße, direkt gegenüber dem Busbahnhof, geschluckt. 68 Stellplätze werden nach Fertigstellung des Gebäudes übrig bleiben. Der Parkplatz Richtung Feuerwehr steht nach wie vor zur Verfügung. Zu wenig, sagen einige. Die CDU reagiert mit ihrer alten Forderung, den Marktplatz für den Autoverkehr wieder zu öffnen.

Das ist das Ergebnis unserer Online-Umfrage:

Wir haben diesen Vorschlag an die Bürger weitergereicht. Mit Hilfe einer Online-Abfrage wollten wir in Erfahrung bringen: Was wünschen sich die Menschen vor Ort eigentlich? Bei 362 abgegebenen Stimmen gab es eine knappe Mehrheit für die Öffnung des Marktplatzes (55,52 Prozent). 40,33 Prozent hingegen möchten, dass der Marktplatz autofrei bleibt. 4,15 Prozent ist es schlicht egal.

So wird im Netz diskutiert:

Das Thema „Parken auf dem Marktplatz“ wird in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert. Und zwar sehr konträr. Die einen wünschen sich, dass der Marktplatz wieder belebt wird: „Mit einem großen Biergarten und einem Brunnen zum Planschen für die Kids.“ Die Nutzung des Marktplatzes als Parkraum, meinen sie, würde Lütgendortmund nicht retten.

Andere hingegen finden, dass der Ortskern unbedingt offener gestaltet werden muss, damit der Einzelhandel überhaupt noch eine Chance hat. Als Beispiel nennen sie den Marktplatz in Castrop-Rauxel. Für Groß-Einkäufer und ältere Menschen seien die vorhandenen Parkplätze einfach zu weit weg. Zudem müssten alle, die am „Park der Generationen“ parken, jedes Mal „eine Hauptstraße mit vielen Autos und regem Busverkehr überqueren“.

Das sagen die Menschen vor Ort zum Parkplatz-Angebot:

Unter anderem haben wir Stimmen im Ärztehaus an der Lütgendortmunder Straße 140 gesammelt.

  • Bettina Brauer, (Zahnarztpraxis Baeder): „Man findet hier wirklich schlecht einen Parkplatz, vor allem, wenn man die Spätschicht ab 11 Uhr hat. Ich muss oft lange herumkurven, auch meine Kolleginnen beklagen sich.“  
  • Sabine Hennicke (Frauenarzt-Praxis Ute Deppe): „Die Situation ist schlechter geworden, besonders nachmittags verspäten sich immer wieder mal Patienten, weil sie nicht wissen, wo sie parken sollen.“  
  • Angelina Stiewe (Urologie-Praxis Dr. Hartmut Przygoda): „Ich finden jeden Morgen problemlos einen Parkplatz. Nein, hier gibt es keine Parkplatznot.“  
  • Lara Volkmann (Logopädie-Praxis Lara van Geist): „Früher standen doch auch nur drei bis vier Autos auf dem großen Parkplatz, der jetzt gesperrt ist. Es gibt hier definitiv genug Parkplätze.“  
  • Katja Kremer, Leiterin des Begegnungszentrums Lütgendortmund: „Vor allem an Markttagen ist es hier knapp mit Parkplätzen. Das meinen auch unsere Besucher.“  
  • Natalia Rahm und Holger Maßmann vom Seniorenbüro Lütgendortmund: „Bei uns und bei unseren Besuchern sind fehlende Parkplätze bislang kein Thema.“

Das meint „Aktiv im Ort“:

  • Uli Neidl, Vorsitzender von „Aktiv im Ort“, würde Parken auf dem Marktplatz begrüßen ¨– auch, damit sich Parksituation an der Werner Straße entspannt. „Aber nur für Kurzparker und nur an marktfreien Tagen. Vielleicht von 8 bis 12 Uhr. Aktiv im Ort würde die Parkscheine sponsern.“  
  • Wilhelm Mohrenstecher von der Drogerie Zimmermann schlägt einen Kompromiss vor: den Marktplatz nur teilweise und temporär, bis die Parkplätze am Rewe wieder nutzbar sind, für Autos freigeben.  
  • Günter Eustrup, Ehrenvorsitzender von Aktiv im Ort, hat erst kürzlich im Interview erklärt, dass er die Verkehrsberuhigung des Ortskerns für eine Fehlentscheidung halte.  
  • Auch seine Tochter Christiane Hoppe befürwortet das Parken auf dem Marktplatz. Gleichzeitig nutzt sie die Gelegenheit, um für „Schreibenwaren Köhler“ und das Reisebüro mit den Schließungsgerüchten aufzuräumen.

Laut Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp und Bezirksverwaltungsstellenleiterin Birgit Durrei bedeute die Öffnung des Marktplatzes eine Umwidmung, und damit müssten Fördergelder zurückgezahlt werden. Die genaue Summe kennen sie nicht. Die Frist läuft bis 2023. Für Beide ist die Öffnung des Marktplatzes nicht der Königsweg, um die Situation des Einzelhandels zu verbessern. Der aktuelle Bebauungsplan, so Heiko Brankamp, erlaube mehr Stellplätze auf dem Feuerwehr-Parkplatz als bisher eingerichtet wurden. Die könnten noch gebaut werden und würden für Entspannung sorgen. Ab dem 13. März wird der Marktplatz saniert.