"Paula" pfeift auf die nörgelnden Malerfürsten

Neu im Kino

Die Anerkennung als frühe Vertreterin des Expressionismus hat die Malerin Paula Modersohn-Becker (1876 -1907) nicht mehr erlebt. Zu Lebzeiten verkaufte sie eine Handvoll Bilder an Freunde wie Rainer Maria Rilke, Kollegen wie Heinrich Vogeler galt sie lange Zeit nur als Anhängsel ihres Mannes Otto. Der wusste ihr Potenzial schon eher zu würdigen.

14.12.2016, 15:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Paula" pfeift auf die nörgelnden Malerfürsten

Der Lehrer findet’s mäßig, was die Damen malen: Roxane Duran als Clara Rilke-Westhoff, Nicki von Tempelhoff als Fritz Mackensen, Carla Juri als Paula Becker.

Seinem Tagebuch vertraute er an, Paulas Farbe sei famos, aber ihre Formen: "Die Hände sind wie Löffel, Nasen wie Kolben, der Ausdruck der von Kretins."

Dieses Urteil findet sich auch im Film von Christian Schwochow, der mit "Paula" das Leben der Künstlerin erzählt. Eine Hommage zwischen Romanze, Melodram, Verbeugung vor einer Unbeirrbaren, die ihren Weg geht und auf das Genörgel arroganter Malerfürsten pfeift.

Wenn ein Fritz Mackensen (Nicki von Tempelhoff) ihre Bilder bekrittelt, schluckt Paula (Carla Juri) ihre Wut herunter. Mackensen ist ihr erster Lehrer in der Künstlerkolonie Worpswede. Wir schreiben das Jahr 1900, Paula hat sich beim Vater einen Malkurs bei den Worpswedern ausbedungen. Die gelten mit ihren bäuerlich erdigen Freiluft-Sujets bei akademischen Salonmalern zwar als kleine Revoluzzer, doch von Frauenkunst will ein Mackensen nichts wissen.

Kesse Hauptdarstellerin

Paula freundet sich mit Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) an, sie heiraten. Das Drehbuch genehmigt sich manche Freiheiten in den Szenen einer Ehe, mehr noch, als es Paulas Paris-Aufenthalte zu einem verkürzt und ihr dort eine Affäre andichtet. Der Wirkungsmacht des Films schadet es nicht. In der wunderbaren Carla Juri ("Feuchtgebiete") hat Schwochow eine kesse Hauptdarstellerin, die in Liebe und Leid unsere vollste Sympathie genießt.

Ob Moorlandschaft oder Pariser Bohème - die Geschichte ist stimmungsvoll malerisch fotografiert und leichtfüßig erzählt, auch in ihren emanzipatorischen Tönen. Paulas früher Tod ist tragisch, der Film aber eine Freude.