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Paulus als Sternstunde der Kirchenmusik

EICHLINGHOFEN Es gibt sie noch, die Sternstunden im Konzertleben: Die Besucher der Aufführung von "Mendelssohns Oratorium "Paulus" erlebten eine solche am Sonntag in der katholischen Kirche "Maria Königin" in Eichlinghofen. Dass ein Kirchenchor dieses anspruchsvolle Werk in so hochkarätiger Qualität interpretiert, ist eine große Seltenheit:

von Von Julia Gaß

, 12.11.2007

Und Ergebnis offenbar bester Einstudierung von Chorleiterin Marie-Luise Nieder und großer Chordisziplin. Den großen dramatischen Zug der Verwandlung vom Saulus zum Paulus betonte Nieder zu Beginn mit einem Auftakt voll packender Kraft. An barocken Vorbildern hat sich der 25-jährige Mendelssohn orientiert.

Den rhythmischen Puls von Turbae-Chören wie "Steinigt ihn" vermittelte der Chor mitreißend und mit einer vorbildlichen Textverständlichkeit. Der zweite Teil des Oratoriums ist lyrischer. Den liedhaften Charakter zeigten Chor, das offenbar beflügelte und, gut einstudierte Aplerbecker Kammerorchester, Organist Christopher Brauckmann und die Solisten höchst eindringlich. Viel Klangkultur hat Nieder mit den Sängerinnen und Sängern erarbeitet. Weiche Endungen und fließende Übergänge zeugten von großer Einfühlsamkeit in die romantische Musik.

Einzelne Chöre sang der Kammerchor der Gemeinde. Um den großen Chor zu entlasten, aber auch, um klangliche Kontraste zu schaffen, auf die Nieder sehr bedacht war.

Die Partie von Saulus und Paulus gestaltete Bassist Gerrit Miehlke mit wechselnden Stimmfarben, viel Dramatik und schönen, lyrischen Momenten. Auch Tenor Thomas Körner lotete das Spektrum zwischen strahlendem Heldentenorgesang und liedhafter Innigkeit gut aus. Bettina Lecking sang sich im Verlauf der zweieinhalbstündigen Aufführung immer mehr frei, ließ ihren Sopran aufblühen und war eine textverständliche Erzählerin in den Rezitativen. Michaela Günther passte sich in der kleineren Alt-Partie gut ins Ensemble ein.

Den 2. falschen Zeugen sang Chorsolist Peter Quinders so professionell wie die langjährig versierten Solisten. Als nächstes packt der Kirchenchor das Verdi-Requiem an - das wohl schwerste und opernhafteste Werk der Chorliteratur. Darauf darf man sehr gespannt sein.