Pendler-Chaos: Diese Auswirkungen haben die Umweltspuren in Düsseldorf

rnVerkehr in NRW

Täglich stehen Tausende Pendler in und vor Düsseldorf im Stau. Eine Ursache: die Umweltspuren. Oder doch nicht? Die Gemüter kochen hoch. Was können Pendler jetzt tun? Fragen und Antworten.

Düsseldorf

, 21.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im April startete in Düsseldorf ein groß angelegter Verkehrsversuch mit der Einführung von Umweltspuren. Möglicherweise ein Pilotprojekt für andere Städte. Dazu pendelt gefühlt ganz NRW in seine Hauptstadt. Und seit den Herbstferien blickt das ganze Land nun auch auf Düsseldorf. Denn in den Ferien wurde hier dritte Umweltspur eingerichtet.

Bereits am Tag 1, der ersten echten Bewährungsprobe, staute sich der Verkehr vor der Düsseldorfer Innenstadt bis zurück auf die A46. Düsseldorfs DJ Theo Fitsos verteilte Bier, also Alt, an genervte Autofahrer – aus einer Pferdekutsche.

Seitdem herrscht Auto-Chaos in Düsseldorf. Jeden Tag kilometerlange Staus. Die Nerven vieler Pendler und Autofahrer liegen blank. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft prüft eine Strafanzeige wegen der dritten Umweltspur, die ein Bürger unter anderem wegen der Rückstaus auf der A46 erstattet hat. 11.400 Menschen unterzeichneten binnen vier Wochen eine Online-Petition.

„Sie müssen diesen Versuch abbrechen...“

Die Interessengemeinschaft Königsallee – der berühmte Boulevard im Herzen der Stadt – wendet sich in einem offenen Brief an die Ratsmitglieder und fordert: „Sie müssen diesen Versuch abbrechen, selbst wenn Düsseldorf Gefahr läuft, auf der Corneliusstraße durch einen Gerichtsbeschluss ein Dieselfahrverbot zu bekommen.“ Selbst das Fahrverbot nehmen die Mitglieder der IG Königsallee in Kauf.

Doch haben die langen Staus in diesem Herbst wirklich ihre Ursache in der neuen Umweltspur?
Was ist in der Landeshauptstadt genau los?
Wie geht es weiter?
Und was können Pendler tun?
Fragen und Antworten:

Warum wurden überhaupt Umweltspuren in Düsseldorf eingerichtet?

Rund 210.000 Fahrzeuge pendeln täglich nach Düsseldorf. Weil die Grenzwerte für Stickstoff-Dioxid in der Luft deutlich überschritten werden, hat die Deutsche Umwelthilfe vor Gericht Dieselfahrverbote beantragt. Um diese Fahrverbote zu verhindern, hatte Düsseldorf im April die ersten Umweltspuren eingeführt, in den Herbstferien kam eine dritte dazu. Diese sorgt nun seit Wochen für gigantische Staus in der Stadt – bis hin zur A46.

Ziel ist es, die Luftqualität in der Landeshauptstadt zu verbessern – und Fahrverbote für Diesel zu verhindern. Trotz der angespannten Verkehrssituation sei die Spur das „mildere Mittel“ im Vergleich zu Fahrverboten, so Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Die Alternative ist, dass die Dieselfahrer gar nicht reinkommen.“

Wo sind die Umweltspuren und wie ist die weitere Planung?

Diese Karte zeigt den aktuellen Verlauf der Umweltspuren in der Innenstadt und die weitere Planung. Die längere Umweltspur im Süden der Stadt ist die neue, in den Herbstferien eingerichtete Spur.

Pendler-Chaos: Diese Auswirkungen haben die Umweltspuren in Düsseldorf

Der Verkehrsversuch in Düsseldorf. © Stadt Düsseldorf

Was genau sind Umweltspuren und wer darf darauf fahren?

Busse, Taxis, Elektroautos und Fahrräder dürfen auf den Umweltspuren fahren und inzwischen auch Fahrgemeinschaften. Wer auf der Spur unterwegs sein will, muss einen Antrag stellen. Doch bis Anfang November gingen erst 25 Anträge bei der Stadtverwaltung ein, für 12 Elektroautos und 13 Elektroroller. Wer ein „E“ für Elektrofahrzeug im Kennzeichen hat, braucht keine Ausnahmegenehmigung.

Sind zwei Bestatter und eine Leiche eine Fahrgemeinschaft?

Diese Frage kam tatsächlich bei einem internen Seminar eines Bestattungsunternehmens in Düsseldorf auf. Die Antwort der Stadt war: „Nein“. Denn: Nur lebende Personen können eine Fahrgemeinschaft bilden.

Auch wenn die Frage wohl nicht ganz ernst gemeint war, zeigt sie das Problem dieser Berufsgruppe auf: Denn Bestatter arbeiten im Trauerfall unter besonderem Zeitdruck – nicht nur an heißen Tagen. Dennoch gelten auch auf dem letzten Weg eines Düsseldorfers die städtischen Auflagen zum Umweltschutz.

Pendler-Chaos: Diese Auswirkungen haben die Umweltspuren in Düsseldorf

Autos mit mehr als drei Insassen dürfen die neue Spuren nutzen. © picture alliance/dpa

Wer gilt als Fahrgemeinschaft?

Jedes Fahrzeug, das mit mindestens 3 Personen besetzt ist. Das müssen nicht immer Arbeitskollegen sein, auch eine Familie ist eine Fahrgemeinschaft. „Egal welchen Alters die Personen sind – nur lebend müssen sie sein“, sagt Stadtsprecher Volker Paulat in Anspielung auf die Offensive der Bestatter.

Wie ist die Verkehrssituation in Düsseldorf und wie reagiert die Stadt?

Es gibt in diesem Herbst Staus an den Umweltspuren. Doch die Lage ist differenziert. „Mega-Staus sind nicht entstanden“, erklärte Volker Paulat. Allerdings gebe es laut verlängerte Rückstaus auf der Münchener Straße und der Werstener Straße. Dafür zeige sich die Lage auf der Merowinger- und der Corneliusstraße vergleichsweise entspannt. Außerdem sei die Verkehrslage vergleichbar mit den üblichen Verhältnissen zu dieser Jahreszeit. Tatsächlich gibt es jedes Jahr im Herbst im Berufsverkehr landesweit Staus von mehreren Hundert Kilometern Länge.

Was will die Stadt tun, um die Lage zu entschärfen?

Oberbürgermeister Geisel kündigte an, ein Messeparkplatz mit 500 Stellplätzen im Düsseldorfer Norden werde zum Park-and-Ride-Parkplatz mit Shuttlebus-Anschluss in die City umgewandelt. An einer ähnlichen Lösung mit Parkhaus arbeite man für den Süden. Außerdem sehe er noch reichlich Potenzial für Fahrgemeinschaften.

Ebenfalls arbeite man daran zu verhindern, dass auch die Nahverkehrsbusse im Pendlerstau stecken bleiben. „Mit der Bewerbung um einen Modellversuch für das 365-Euro-Ticket wollen wir darüber hinaus Bus und Bahn attraktiv und kostengünstig machen“, erklärte Geisel.

Bringen diese Spuren tatsächlich etwas für die Luftreinhaltung?

“Die Luftmesswerte für den Schadstoff Stickstoffdioxid haben sich in den

ersten fünf Monaten nach Einrichtung der ersten beiden Umweltspuren in

Düsseldorf durchweg deutlich verbessert“, teilte die Stadt Düsseldorf jüngst mit. An potenziellen Ausweichstrecken zeige sich keine steigende Belastung. „Wir haben viele Anwohner, die sich bei uns bedanken“, sagt Volker Paulat. Auch die Fahrradfahrer freue es. „Das ganze Thema wird stets aus der Sicht der Autofahrer beleuchtet, doch dabei gibt es noch viele andere Perspektiven“, so der Stadtsprecher.

Und was kann man als Pendler nun tun?

  • Fahrgemeinschaften bilden: Auf der Seite pendlerportal.de des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr (VRR) können Autofahrer Mitfahrer suchen, bzw. Mitfahrer einen Wagen. Weitere Mitfahrbörsen: ADAC-Mitfahrclub, bessermitfahren.de, fahrtfinder.net, mifaz.de

  • Auf Elektroautos umsatteln: Mit Elektrofahrzeugen können die Umweltspuren genutzt werden.

  • Hauptverkehrszeiten vermeiden: Möglicherweise lässt sich Gleitzeit nutzen, im Home Office arbeiten oder grundsätzlich mit dem Arbeitgeber eine feste Arbeitszeit außerhalb der Rush-Hour vereinbaren.

  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen: Entweder gleich mit der Bahn in die Landeshauptstadt fahren oder den Wagen außerhalb an einem Pendlerparkplatz stehen lassen. Hier gibt es Park+Ride-Plätze an den S-Bahn-Stationen: Hellerhof, Garath, Eller-Süd, Eller, Angermund, Benrather Bahnhof, Südpark (U71, U73, U79, U83), Südfriedhof (Linie 709), Gerresheimer Krankenhaus (U83, 709), Staufenplatz (U73, U83, 709), Heerdter Krankenhaus (U75) und an der U79-Haltestelle Wittlaer. Weitere sollen dazukommen.

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