Performerin weint um die Polkappen

Theater Festival Impulse

Die Diskussion über das Welt-Klimaproblem ist längst im Theater angekommen. In einer derart persönlichen Herangehensweise wie bei Anna Mendelssohns „Cry Me A River“, das jetzt beim Theaterfestival Impulse zu sehen war, hat man den Themenkomplex allerdings noch nicht erlebt.

BOCHUM

von Max Florian Kühlem

, 07.07.2011, 19:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Anna Mendelssohn trat  bei den Impulsen auf.

Anna Mendelssohn trat bei den Impulsen auf.

Eindringlich beschreibt sie die irrsinnige Macht der menschlichen Gesellschaft, die mit einem Bruchteil ihrer Kräfte eine neue Eiszeit auslösen könnte: „Der Temperaturunterschied zur Eiszeit beträgt nur sechs Grad – wir haben in nur einem Jahrhundert schon ein Grad geschafft.“ Auch philosophische Betrachtungen mischt sie in ihre Text-Collage: Dann ist die Menschheit auf einmal nicht mehr nur die große Macht, die sich selbst auszulöschen vermag, sondern auch bloß ein flüchtiges Aufflackern in der unendlichen Geschichte des Weltalls.

Und gerade, weil Anna Mendelssohn nicht nur das Weltklima, sondern auch sich selbst zum Thema macht, erscheint ihre Performance so schonungslos ehrlich und berührend. So gesteht sie gleich am Anfang ein, dass ihr Lieblingsthema eigentlich sie selbst sei, dass ihr größtes Interesse im Erfolg im Job und in einer glücklichen Beziehung liege. Für das Weinen um die Polkappen braucht es da schon den Tränenstift, zu dem sie immer wieder greift. So wie die Performerin überhaupt ihre Mittel schonungslos offen legt, sich etwa mitten im Monolog eine verbrannte, sich in Fetzen vom Gesicht lösende Haut schminkt.

So zeigt sie die zwei Perspektiven auf, in denen der Mensch ein Leben lang verstrickt ist: die private und die gesamtgesellschaftliche. Ein Solo, das nachwirkt.