Persische Vampirella auf Jagd in der Geisterstadt

Kino: "A Girl Walks Home Alone At Night"

Eine Vampirin im Tschador geht auf Beutezug durch eine Geisterstadt. „A Girl Walks Home Alone At Night“ heißt dieser Film, der im nachtdunklem Neo Noir, elegisch, poetisch und sehr atmosphärisch daherkommt. Aber nicht nur seine Bilder, sondern auch die musikalische Untermalung macht den Film zu einem großen Genuss.

DORTMUND

, 23.04.2015, 14:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sheila Vand als Vampirmädchen.

Sheila Vand als Vampirmädchen.

Nachts in Bad City, wo Leichen im Flussbett verrotten und Gefahr in der Luft liegt. Wie eine schwarze Madonna steht eine Frau im Tschador am Straßenrand. Sie beobachtet den Zuhälter und die Hure, still und stumm, sie hat keine Angst. Abschaum wie der Dealer-Django sollte auf der Hut sein – die Frau ist ein Vampir auf Beutezug.

„A Girl Walks Home Alone At Night“ heißt dieser Film in nachtdunklem Neo Noir, elegisch, poetisch, sehr atmosphärisch in seiner Erkundung einer morbiden Geisterstadt, die auch Kulisse eines Endzeit-Western sein könnte.

Vampir-Romanze

Ana Lily Amirpour hat ihre feministisch angehauchte Vampir-Romanze in den USA und im Geist des amerikanischen Kinos gedreht, mit Referenzen an die Schwarze Serie, an „Sin City“, Jim Jarmusch oder David Lynch. Und der junge Arash (Arash Marandi) ist ein Wiedergänger James Deans, wie er im Oldtimer durch die Nacht kreuzt.

Arash, das Samtauge, ist ein Sanfter, ein Bursche von entwaffnender Zärtlichkeit. Als er (im Dracula-Kostüm!) der namenlosen Vampirella (Sheila Vand) gegenübersteht, spürt sie, dass er nicht in ihr Beuteschema passt. Sie nimmt ihn mit nach Hause, wo beide Platten hören und sich näherkommen.

Ein weiblicher Blutsauger, der Farsi spricht, selbstbewusst den Tschador trägt, aber auch Skateboard fährt und Popmusik schätzt. Wie selbstverständlich führt Amirpour traditionell Persisches und westliche Moderne zusammen. Sie ist im Kosmos amerikanischer Filmmythen zuhause, hat aber ihre iranischen Wurzeln im Gepäck. In der Symbiose beider Welten liegt eine leise politische Dimension, Ost und West sind keine Feinde.

Vor allem ist der Film ästhetisch ein großer Wurf. Die Bilder, die traumwandlerisch gravitätische Inszenierung und ein Soundtrack zwischen Texmex und Morricone sind ein Genuss.

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