Peter Lindbergh macht die Straße zum Schau-Platz

Ausstellung in Düsseldorf

Aus seiner Obsession für schöne Frauen hat Garry Winogrand kein Geheimnis gemacht. Als Fotograf habe er stets sein Bestes gegeben, wenn eine attraktive Fremde seinen Weg kreuzte, verriet einst der Pionier der Street Photography, der amerikanischen Fotografie des flüchtigen Augenblicks im Straßen-Alltag.

DÜSSELDORF

, 02.02.2017, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im NRW-Forum, dem extravaganten Podium für Lichtbildner von Weltrang, tritt der in der New Yorker Bronx aufgewachsene Sohn ungarisch-polnischer Einwanderer mit seinen Aufnahmen von Frauen in einen Dialog mit Peter Lindbergh, der Ikone unter den Modefotografen. "Women on Street" heißt die spannende Ausstellung - ein Höhepunkt des Düsseldorfer Photo Weekends.

Der Titel deutet die Symbiose konträrer Positionen an. Garry Winogrands in Deutschland noch nie komplett gezeigte Serie "Women are Beautiful" von 1975 mit 85 Schwarz-Weiß-Aufnahmen trifft auf Lindberghs ebenfalls in Schwarz-Weiß fotografierte berühmte Serie "On Street".

Natürlich und völlig ungekünstelt

Die Aufnahmen sind munter gemischt. Winzige Hinweisschilder verraten, was von Lindbergh oder von dem 1984 mit 56 Jahren verstorbenen Winogrand stammt. Das schärft den Blick. Beide Fotografen zeigen Frauen natürlich und völlig ungekünstelt. Auch Lindbergh, der den Verzicht auf inszenierte Studio-Posen zu genießen scheint.

Dabei entstand seine Serie "On Street" als Modestrecke. Dafür hatte der seit 1978 in Paris lebende Erfinder der Supermodels nicht seine Stars Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz oder Cindy Crawford durch die Straßenschluchten und über die Plätze von New York laufen lassen.

Diskurs über die Einsamkeit in der Großstadt

Fast stets zieht Annie Morton, ein weniger bekanntes blondes Model mit hinreißend sinnlicher und doch unnahbarer Ausstrahlung, die Blicke auf sich. Die schicken Entwürfe, die sie zur Schau trägt, werden darüber zur Nebensache. Lindbergh, inzwischen 72, liefert mit seinen Straßen-Szenen auch einen Diskurs über die Einsamkeit im Gewühl des Molochs Großstadt.

In der Tiefen- und Breitenstaffelung des Bildaufbaues zieht Garry Winogrand gleich. Doch der Amerikaner sucht den flüchtigen Augenblick. Seine stürzenden Linien und seine angeschnittenen, manchmal kopflosen Personen nahmen vorweg, was heute als modern gilt.

NRW-Forum Düsseldorf: "Peter Lindbergh/Garry Winogrand – Women on Street", 3.2.-30.4.17,
Ehrenhof 2, Mo-So 11-18 Uhr, Fr/Sa bis 20 Uhr, Eintritt 6 (Fr-So 8) Euro. Weitere Infos .

Am 3. Februar beginnt das Düsseldorfer Photo Weekend:

  • Mehr als 70 Galerien, Museen und private Sammler öffnen am sechsten "Duesseldorf Photo Weekend", das heute von 18-21 Uhr beginnt. Geöffnet auch am Samstag (4.2.) 12-20 und Sonntag (5.2.) 12-18 Uhr.
  • Die Galerie Rupert Pfab (Poststraße 3.) zeigt Fotografien von Angelo Novi, der die glanzvolle Epoche des italienischen Films mit Aufnahmen etwa von Claudia Cardinale festhielt. Erstmals nimmt die Gedenkstätte Düsseldorf (Mühlenstraße 29) teil. Sie widmet dem von den Nazis verfolgten Fotokünstler Fred Stein eine Werkschau.