Philharmoniker spielten "Nosferatu - Eine Sinfonie des Grauens"

Konzerthaus Dortmund

So viele restaurierte und neu geschnittene Fassungen es von Friedrich Murnaus Dracula-Film "Nosferatu" mit Max Schreck aus dem Jahr 1922 gibt, so viele musikalische Illustrationen gibt es auch. Der Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wählte zum Auftakt einer neuen Stummfilm-Reihe mit den Dortmunder Philharmonikern nicht die Orginalmusik, sondern die von James Bernhard aus dem Jahr 1997.

DORTMUND

, 01.04.2014, 13:35 Uhr / Lesedauer: 1 min

Und die illustrierte am Montag im Konzerthaus Dortmund die Bilder auf der Riesenleinwand vortrefflich. Das Publikum, das deutlich jünger war als das der Abo-Konzerte, war begeistert von dem intensiven Live-Erlebnis, den farbigen Klängen des großen Orchesters, mit denen Bernhard Stimmungen schön illustriert - kurioserweise ganz ohne Hörner. Auch in Kostümen, aber zum Glück ohne Knoblauch, kamen die Besucher in das ausverkaufte Konzert.

Sinfonie des Grauens

Nun ist diese "Sinfonie des Grauens" 92 Jahre nach der Erstausstrahlung kein Film mehr, in dem einem kalte Schauer des Gruselns über den Rücken laufen, aber die knorrigen Typen und die Liebesromanze zwischen dem Karpaten-Vampir und der schönen Ellen stellt Bernhards Musik gut heraus.

Punktgenau folgt die Musik jedoch nur selten den Filmbildern. Das war in der Trommelszene so - und leider trommelten da die Schlagwerker etwas zu früh.Leitmotive Bernhards spätromantische Musik ist mehr atmosphärische Grundlage, die - ähnlich wie bei Wagner - aus Leitmotiven aufgebaut ist.

Im Februar 2005 war "Nosferatu" zuletzt im Konzerthaus mit Live-Musikbegleitung zu sehen; damals allerdings nicht mit großem Orchester, sondern einer Kammerbesetzung der Silent Movie Music Company. Da war diese Fassung viel dichter und stimmungsvoller und auch packender musiziert.Nervenkitzel

Feltz, leger im schwarzen Polohemd dirigierend, stellte Nervenkitzel-Elemente heraus und ließ das Todesschiff mit 90 Musikern mächtig durch den Saal schippern. Gestopfte Posaunen und üppig besetzte Holzbläser gaben der Vampir-Musik besondere Farben.

Angesichts des Twitter-Sturms während der Vorstellung fragt man sich jedoch schon, wie viel Zeit die Handybesitzer, die Videos und Kurzmitteilungen verbreitet haben, bis die Akkus leer waren, hatten, um auf die Leinwand zu schauen.

Die Dortmunder Philharmoniker setzten die Reihe in der nächsten Saison mit "Metropolis" fort.

 

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