Philosoph Michel Serres wird 85

Der französische Philosoph Michel Serres gilt als Universaldenker. Er warnt vor einem Welt-Inferno und ruft zur Erneuerung unseres Denkens auf.

Paris (dpa)

von Von Sabine Glaubitz, dpa

, 31.08.2015, 11:39 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der französische Philosoph Michel Serres wird 85. Foto: John Foley/Opale/Leemage

Der französische Philosoph Michel Serres wird 85. Foto: John Foley/Opale/Leemage

Informationstheorien, Biochemiemodelle und Mythen: Michel Serres ist ein Gelehrter mit ungewöhnlich vielseitigen Kenntnissen in den verschiedensten Gebieten. Er überschreitet Wissenschaftsgrenzen, weil für ihn das Eine ohne das Andere nicht sein kann.

Sein Ansatz ist der eines ganzheitlichen Wissenschaftsverständnisses. Denn nur wenn die Menschen lernen, über ihren eigenen Tellerrand zu blicken, sei das globale Inferno noch abwendbar, warnt Serres in Büchern und Interviews. Am Dienstag (1. September) wird er 85 Jahre alt.  

«Viele Naturwissenschaftler stellen sich heute überhaupt nicht den ethischen Problemen. Sie verharren innerhalb ihres Forschungshorizonts, ohne an einer Diskussion über diese Probleme interessiert zu sein. Auf der anderen Seite stellen zwar die Philosophen, die ich in Frankreich kenne, Fragen zur Ethik, doch ihr Wissen reicht nicht aus, um gute Fragen zu stellen», lautet Serres' Überzeugung. Für sein Denken erhielt der Philosoph 2012 auch den deutschen Meister-Eckhart-Preis. Begründung: «Brillante Einsichten in die Strukturen unseres Denkens.»

Mehr als 50 Bücher hat er geschrieben, viele davon sind in Deutschland erschienen. In «Das eigentliche Übel» geht es ihm um die schmarotzerhafte Aneignung der Welt durch den Menschen, und in «Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation» fordert er uns auf, den technologischen Wandel als Chance zu nutzen, um alles neu zu erdenken - angefangen vom Bildungssystem bis zur Gesellschaft.

Seine Philosophie nährt sich aus dem Werdegang des im südwestlichen Agen geborenen Denkers. Als junger Erwachsener trat er in die Marineschule in Brest ein, dann begann er mit dem Studium der Philosophie und wurde 1969 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Sorbonne. Im Jahr 1984 begann er zudem an der Stanford University in Kalifornien zu unterrichten. Als Vermittler zwischen den Wissenschaften wurde er 1990 in die Académie française aufgenommen, Frankreichs bedeutendste Gelehrtengesellschaft.  

Artikel auf «zeit.de»

Interview auf «lefigaro.fr» (in Französisch)

Interview mit der Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche (in Französisch)

Artikel auf «deutschlandfunk.de»