Pillen statt Knast für Exhibitionisten

Wiederholungstäter

Was macht man mit einem Exhibitionisten, der trotz zehn Jahren Haft immer weitermacht? Wieder einsperren? Nein, hat das Bochumer Landgericht entschieden. Der Mann bleibt frei, muss aber Medikamente nehmen, die ihm vielleicht sogar Brüste wachsen lassen.

Bochum

31.10.2016, 12:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pillen statt Knast für Exhibitionisten

Das Gebäude des Landgerichts und Amtsgerichts in Bochum.

Der Angeklagte hat jahrelang ein Doppelleben geführt. Er war sogar mal verheiratet, hat eine Tochter. Doch wenn er allein war, schlich er sich immer wieder zur Bochumer Jahrhunderthalle. Dort versteckte er sich im Gebüsch und lauerte Kindern und Jugendlichen auf. Kaum war eine Gruppe in Sicht, sprang er heraus - die Hose schon offen - und befriedigte sich selbst.

Wenn noch unter 14-Jährige dabei waren, hat sich der Bochumer damit sogar wegen sexuellen Kindesmissbrauchs strafbar gemacht. Und weil die Serie einfach nicht abreißen wollte, haben die Richter den 42-Jährigen nach einer Reihe von Bewährungsstrafen schließlich immer wieder ins Gefängnis geschickt.

Psychotherapie und Medikamente

Und so sollte es eigentlich auch diesmal wieder sein. In einem ersten Prozess hatte das Bochumer Amtsgericht anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung verhängt. Da das Verhalten aber offenbar wie eine Sucht ist, sind die Richter am Landgericht in der Berufungsverhandlung nun einen anderen Weg gegangen. Sie haben die Strafe am Ende doch noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings musste sich der Angeklagte damit einverstanden erklären, eine Psychotherapie zu machen und triebdämpfende Medikamente zu nehmen. Auch, wenn die Nebenwirkungen vielleicht so stark sind, dass er nun Brüste bekommt.