Pioniere an der Strippe

BOCHUM Ein neues Notrufsystem soll Kinderleben schützen: In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr hat das Jugendamt der Stadt eine neue Telefon-Hotline freigeschaltet, die rund um die Uhr besorgte Anrufe entgegen nimmt.

von von Alexandra Heimken

, 03.01.2008, 17:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hier werden rund um die Uhr Anrufe entgegen genommen: Jürgen Wolff und Sophie Graebsch-Wagener in der Telefonzentrale der Feuerwehr.

Hier werden rund um die Uhr Anrufe entgegen genommen: Jürgen Wolff und Sophie Graebsch-Wagener in der Telefonzentrale der Feuerwehr.

Vermutet ein Bürger – so heißt es im Beamtendeutsch – „akute oder drohende Kindeswohlgefährdung“ wählt er die Telefonnummer 0234/910-KIND bzw. 910 54 63. Der Anrufer landet dann bei geschultem Personal der Feuerwehr, das Gespräch wird dokumentiert und aufgezeichnet – wie ein „normaler“ Notruf. Anschließend nimmt die Feuerwehr Kontakt mit dem Jugendamt auf. Rund um die Uhr stehen ab jetzt Mitarbeiter des Sozialen Dienstes bereit, die dem Fall sofort nachgehen. Der Dienst soll dazu dienen, Kinder rechtzeitig aus bedrohlichen Situationen zu befreien und vor Misshandlung zu schützen. Wenn nötig, rufen die Sozialarbeiter bei ihren Einsätzen die Polizei zu Hilfe.

Präventionsarbeit

Der Kindernotruf ist ein weiterer Baustein der Präventionsarbeit des Jugendamtes. „Im Ruhrgebiet sind wir damit Pioniere“, sagt Sophie Graebsch-Wagener. Dabei hofft die Sozialdezernentin, dass die Anrufer nicht anschwärzen wollen, sondern bei einer ernst zu nehmenden Vermutung zum Hörer greifen. Denn, so die Sozialdezernentin, ein blinder Generalverdacht bringe nichts. „Überforderte Eltern dagegen brauchen Hilfe oder sogar Kontrolle“, sagt Graebsch-Wagener. „Der Notruf soll außerdem für das Thema Kindesmisshandlung sensibilisieren.“ Die Stadträtin ermutigt jeden Bürger, der den Verdacht hat, dass ein Kind in Not ist, selbst einzugreifen: „Man sollte sich einmischen“, so Graebsch-Wagener.

24-Stunden-Bereitschaft

Für den neuen Kindernotruf nutzen die Organisatoren die technische Infrastruktur der Feuerwehr. „Wir satteln auf ein etabliertes System auf“, erklärt Jürgen Wolff, Abteilungsleiter „Rettungsdienst“ bei der Stadt. So kann eine 24-Stunden-Bereitschaft gewährleistet werden, sämtliche Anrufe aufgezeichnet und zurück verfolgt werden. Mehrere Mitarbeiter von Jugendamt und Feuerwehr wurden für den Kindernotruf geschult.