Piraten eröffneten Festival Klangvokal

"Il Corsaro" im Konzerthaus

DORTMUND. Es stürmt in Verdis Musik und auf der Bühne: Die Oper "Il Corsaro" führt zu Piraten und Korsaren, in den Kerker und Harem. Der temperamentvolle italienische Dirigent Carlo Montanaro vermittelte in der konzertanten Aufführung am Freitag im Konzerthaus Dortmund, dass Verdis Opernstiefkind direkt durchs Fegefeuer führt - in umjubelter Auftakt des dritten Dortmunder Musikfestivals "Klangvokal".

von Von Julia Gaß

, 13.06.2011, 14:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Piraten eröffneten Festival Klangvokal

Maria Guleghina sang im Konzerthaus Dortmund.

 Es war ein sehr mächtiger, dynamisch grenzwertiger Parforceritt durch die Musik. Kaum Raum um Luft zu holen ließen Montanaro und die beiden Hauptsolisten dem Publikum. Der bulgarische Tenor Zvetan Michailov war eingesprungen und sang sich als Hauptmann der Korsaren in den ersten beiden Akten die Lunge aus dem Leib. Zuweilen klang seine Stimme dabei aber in den hohen Lagen etwas eng.Dramatische Guleghina

Gespannt waren die Opernfreunde auf das Rollendebüt der dramatischen russischen Sopranistin Maria Guleghina als Gulnara, der Frau, die liebend versucht, zwischen Feinden zu vermitteln. Vor zwei Jahren hatte Guleghina einen grandiosen Einstand im Konzerthaus als Turandot. Und obwohl damals der musikalische Kraftprotz Gergiev am Pult stand, war das eine differenziertere Gestaltung, als man sie von der auch optisch stark veränderten Sängerin jetzt hörte. Trotzdem - an Hochdramatik war dieses Debüt der Sopranistin, die für die Rolle den passenden scharfen Metallklang in der Stimme hat, kaum zu überbieten. Feiner sang Elena Mosuc als Geliebte Medora; wenn sie nur die manierierten Gesten weggelassen hätte. Großartig waren Bassist Sebastian Catana als Pascha und der mit jungen Stimmen besetzte Chor aus Minsk. Das WDR Rundfunkorchester folgte Montanaros leidenschaftlicher Interpretation. Man darf gespannt sein, wie die Aufführung auf der mitgeschnittenen CD klingen wird, die 2012 zu Verdis 200. Geburtstag 2013 erscheinen soll.

"Klangvokal" bietet bis 2. Juli noch zwölf Konzerte in Dortmund.