Piraten wollen über Medien-Boykott abstimmen

Ärger nach Interviews

MÜNSTER Abstimmen über Redeverbote: Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, hat Freitag in Münster vorgeschlagen, dass die Mitglieder der Partei über die Medienkontakte ihrer Vorstandsmitglieder abstimmen. Seipenbuschs Stellvertreter hatte der rechtslastigen "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben - Seipenbusch ihn verteidigt.

von Von Oliver Koch

, 18.09.2009, 16:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Jens Seipenbusch am Freitag bei einer Wahlkampfaktion in Münster.

Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Jens Seipenbusch am Freitag bei einer Wahlkampfaktion in Münster.

"Ich hatte keine Ahnung, welche Brisanz das Thema 'Junge Freiheit' hat", sagt Seipenbusch, der in Münster wohnt. Nachdem er das Interview seines Bundesvize Andreas Popp in seinem Blog verteidigt hatte, tauchte einen Tag später ein Fragebogen auf der Seite der Zeitung auf, den Seipenbusch ausgefüllt hatte. Interview und Fragebogen sind laut Seipenbusch vor einigen Wochen zeitgleich entstanden.  "Ich habe zu diesem Zeitpunkt Mail-Interviews im Zehn-Minuten-Takt gegeben", sagt Seipenbusch. Über den Hintergrund der Zeitung habe er sich nicht informiert. Ob er in Zukunft mit bestimmten Medien nicht mehr zusammenarbeiten darf,  sollen nach der Bundestagswahl die Mitglieder der Partei entscheiden. "Das machen wir elektronisch", so Seipenbusch. Gegebenenfalls sollen die Mitglieder auch entscheiden, welche Medien boykottiert werden sollen.

"Ich halte es nicht für einen Fehler, mit den Lesern zu sprechen, nur so kann man sie überzeugen", sagt Seipenbusch. Inhaltlich habe man sich klar gegen Rechts positioniert. Ansonsten lerne die Partei gerade eine Menge über den Umgang mit Medien. Die Piratenpartei hatte bei der Europawahl im Juni erstmals bundesweite Aufmerksamkeit erhalten. Inzwischen ist ihr in Aachen und Münster der Einzug in den Stadtrat gelungen.