Polizei erwischt 300 Smartphone-Nutzer am Steuer

Schwerpunktkontrollen am Dienstag

400 Polizisten haben am Dienstag in NRW insgesamt 200.000 Fahrer auf den Autobahnen überprüft. Dabei fuhren 5000 Autofahrer zu schnell, 300 benutzen ihr Handy während der Fahrt und 1200 fuhren zu dicht auf. Es gab aber auch andere Verstöße.

NRW

21.03.2017, 17:34 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Polizist winkt auf der Autobahn 555 bei Köln Fahrzeuge zur Kontrolle raus. Die Polizei hat Schwerpunktkontrollen auf Autobahnen durchgeführt, um gegen zu hohe Geschwindigkeit, zu geringen Sicherheitsabstand und die Handy-Nutzung am Steuer vorzugehen.

Ein Polizist winkt auf der Autobahn 555 bei Köln Fahrzeuge zur Kontrolle raus. Die Polizei hat Schwerpunktkontrollen auf Autobahnen durchgeführt, um gegen zu hohe Geschwindigkeit, zu geringen Sicherheitsabstand und die Handy-Nutzung am Steuer vorzugehen.

Die NRW-Autobahnpolizei hat am Dienstag während der Schwerpunktkontrollen neben 5.000 Geschwindigkeitsverstößen auch rund 300 Handy- und 1200 Abstandsverstöße registriert. Von weiteren 1200 Autofahrern, die angehalten wurden, standen manche unter Alkoholeinfluss, andere waren nicht angeschnallt. Es gab ebenfalls "unzulässige technische Veränderungen am Fahrzeug", schreibt das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes NRW.

"Kein tödlicher Verkehrsunfall"

NRW-Innenminister Ralf Jäger dankte der Autobahnpolizei für ihren Einsatz. „Und dieser Einsatz hat sich gelohnt", sagte Jäger. „Die Reaktionen der Menschen auf die groß angelegte Kontrollaktion waren fast durchweg positiv. Und am allerwichtigsten: In ganz NRW hat es keinen einzigen tödlichen Verkehrsunfall gegeben."

Die Polizei erwischte einen Oberklasse-Limousine-Fahrer, der 63 Stundenkilometer zu schnell im Ruhrgebiet unterwegs war. Seine Begründung für seinen eklatanten Tempoverstoß auf der Autobahn bestätigt die großen Befürchtungen der Polizei: Durch ein Telefonat über die Freisprecheinrichtung seines Autos sei er derart abgelenkt gewesen, dass er die Schilder nicht gesehen habe. Das gab der Fahrer einer Oberklasse-Limousine an, der 63 Stundenkilometer zu schnell im Ruhrgebiet unterwegs war und gestoppt wurde, teilte das NRW-Innenministerium am Dienstag in einer Zwischenbilanz zu Schwerpunktkontrollen auf den Autobahnen mit. Für den stark abgelenkten Fahrer der Limousine wird es richtig teuer: 240 Euro Strafe, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg.

Blick auf das Smartphone ist lebensgefährlich

Einen anderen Fahrer, der alkoholisiert und unter Drogeneinfluss am Steuer saß, zogen Polizisten aus dem Verkehr. Ein Lkw-Fahrer, der telefoniert und zu dicht auffährt und ein Pkw-Fahrer, der drängelt und rechts überholt, wurden als weitere Beispiele genannt. „Offenbar blenden manche die Gefahren durch Ablenkung, Geschwindigkeit und zu dichtes Auffahren einfach aus“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung und zu geringer Sicherheitsabstand führten zu schweren Unfällen. „Deshalb wird die NRW-Polizei ganz gezielt vor allem dagegen vorgehen“, betonte er. Jeder noch so kurze Blick aufs Smartphone sei während der Fahrt lebensgefährlich.

Die 24-stündige Schwerpunktkontrolle mit rund 400 Beamten am Dienstag sollten für mehr Sicherheit sorgen. Unter anderem wurde ein rumänischer Lkw stillgelegt, weil seine Bremsanlage nicht mehr verkehrstauglich war. In NRW ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfalltoten auf Autobahnen um etwa ein Drittel gestiegen. Insgesamt verloren 80 Menschen bei Unfällen auf den Autobahnen ihr Leben. Fachleute beobachten mit Sorge, dass eine Ablenkung des Fahrers als Unfallursache immer mehr Bedeutung bekommt. Seit Montag verbreitet die Polizei NRW auch ein Video in den sozialen Medien, das speziell auf die Gefahren der Handynutzung im Auto aufmerksam machen soll. 

Das Video der Polizei NRW:

Gänzlich verboten ist die Nutzung des Handys beim Autofahren allerdings nicht. Jedoch gilt es dabei einige Regeln zu beachten: 

  • Wer Funktionen des Handys während der Autofahrt am Steuer nutzen will, darf es dafür nicht in die Hand nehmen. Ansonsten drohen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg, erklärt Rechtsanwalt Christian Janeczek von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein.
  • Unter Nutzung versteht der Gesetzgeber jegliche Funktion von Handy oder Smartphone. Dazu gehöre nicht nur das Telefonieren oder Tippen von SMS, sondern beispielsweise auch das Ablesen der Uhr oder Fotografieren, so der Fachanwalt für Verkehrsrecht. Steckt das Telefon in einer Halterung, darf der Fahrer es mit den Fingern bedienen und mit Freisprecheinrichtung telefonieren. Doch auch dann darf der Fahrer durch das Handy nicht zu sehr ablenkt sein. Bei stehendem Fahrzeug darf man es regulär nutzen. Aber: "Dann muss unbedingt der Motor abgestellt sein."
  • Passiert ein Unfall aufgrund der Handynutzung hinter dem Steuer, kann eine Haftpflichtversicherung den Fahrer mit bis zu 5000 Euro in Regress nehmen. Die Mehrzahl der Verträge schließt diese Leistungskürzung wegen grober Fahrlässigkeit zwar aus. "Doch Mietwagenverträge zum Beispiel in der Regel meist nicht", sagt der Anwalt. Die Kaskoversicherung kann die Leistung im Einzelfall sogar um 100 Prozent kürzen.
  • Die 24-stündige Schwerpunktkontrolle mit rund 400 Beamten am Dienstag sollten für mehr Sicherheit sorgen. Unter anderem wurde ein rumänischer Lkw stillgelegt, weil seine Bremsanlage nicht mehr verkehrstauglich war. In NRW ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfalltoten auf Autobahnen um etwa ein Drittel gestiegen. Insgesamt verloren 80 Menschen bei Unfällen auf den Autobahnen ihr Leben. Fachleute beobachten mit Sorge, dass eine Ablenkung des Fahrers als Unfallursache immer mehr Bedeutung bekommt. Seit Montag verbreitet die Polizei NRW auch ein Video in den sozialen Medien, das speziell auf die Gefahren der Handynutzung im Auto aufmerksam machen soll. 

dpa/obr