Polizei registriert weniger Straftaten in Bochum

Kriminalitätsstatistik

„Unser Ziel ist es, die sicherste Behörde im Ruhrgebiet zu werden“, sagt Bochums Polizeipräsidentin Diana Ewert. Ein hehres Ziel, das dennoch nicht unrealistisch erscheint, konnten die Ordnungshüter doch 2014 in Bochum 1427 Straftaten weniger verzeichnen als im Vorjahr. Doch die Zahlen der aktuellen Kriminalitätsstatistik bilden die Realität nicht hundertprozentig genau ab.

BOCHUM

, 13.03.2015 / Lesedauer: 3 min
Polizei registriert weniger Straftaten in Bochum

In die JVA Bochum kommt, wer eine Straftat verübt hat. Doch die Zahl der Straftaten in Bochum ist rückläufig, wie aus der nun veröffentlichten Kriminalitätsstatistik hervorgeht.

Im vergangenen Jahr gab es in Bochum zwar vier versuchte Morde, aber keinen einzigen Toten, sagen die Zahlen. Das ist jedoch nicht ganz korrekt. Im November 2014 tötete ein 39-Jähriger ein zwei Jahre altes Mädchen. Doch der Fall taucht in der Kriminalitätsstatistik nicht auf.

Andreas Dickel, Leiter der Kriminaldirektion, erklärt den Grund: „Die polizeilichen Ermittlungen waren Ende 2014 noch nicht abgeschlossen. Deshalb wird diese Tat erst in der Statistik für 2015 erfasst.“  Und auch die Tatsache, dass die polizeiliche Statistik die Fälle so erfasst, wie sie an die Staatsanwaltschaft übergeben werden, kann zu Irritationen führen.

Vier Fälle von Totschlag hat die Polizei im Jahr 2014 gezählt. Während es bei dreien nur bei einem Versuch geblieben ist, wird einer als Totschlag mit Todesfolge gelistet.

Verlässlicher Überblick

Dabei handelt es sich um den Tod einer Frau, die nach einer schweren Krankheitsdiagnose jeden Lebensmut verlor, jede Behandlung ablehnte und schließlich auf der eigenen Couch auf dramatische Weise an den Folgen ihrer Krankheit verstarb. Die Polizei ermittelte zunächst gegen den Ehemann, weil dieser seine Frau hatte sterben lassen.

Doch die Staatsanwaltschaft konnte keine Schuld des Mannes erkennen. Dennoch wird er in der aktuellen Statistik als Totschläger geführt – eben weil die Kriminalitätsstatistik nur die polizeilichen Ermittlungen, aber nicht die gesamte juristische Bewertung eines Falls berücksichtigt.  

Trotzdem geben die Zahlen der Kriminalitätsstatistik einen äußerst verlässlichen Überblick über die Entwicklung der Straftaten in Bochum – auch weil die juristischen Fallstricke der Statistik rar gesät sind. So sind zum Beispiel die Zahlen der Wohnungseinbrüche Fakten, die nicht interpretiert werden müssen.

Weniger Wohnungseinbrüche

2302 Fälle musste die Polizei in diesem Bereich im Jahr 2014 aufnehmen. Das sind 226 Einbrüche weniger als im Vorjahr. Zugleich stieg die Aufklärungsquote von 9,61 Prozent auf 18,25 Prozent. Ein Umstand, der sich vor allem durch eine optimierte Spurensuche, aber auch durch personelle Umstrukturierungen erklären lässt, wie Andreas Dickel sagt: „Viele Jahre sind wir gut damit gefahren, dass ein Sachbearbeiter von der Tataufnahme bis zum Ende der Ermittlungen einen Fall begleitet.“

Das habe solange funktioniert, wie die Grenze von 2000 Wohnungseinbrüchen nicht überschritten worden wäre. Als diese Zahl jedoch 2012 erstmals überschritten wurde, hätten die Beamten teilweise neue Fälle aufnehmen müssen, während sie gerade in den Ermittlungen zu alten Fällen steckten. Dadurch wurde die Ermittlungsarbeit ineffizient. Die Polizeiführung reagierte darauf mit einer neuen Arbeitspraxis – und die hat sich 2014 als erfolgreich bewiesen.

Ohnehin ist die Arbeit der Bochumer Polizei eine mit deutlichen Achtungserfolgen. Mit einer Gesamtzahl von 36.924 Straftaten steht Bochum im Vergleich mit anderen Großstädten in NRW gut dar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in Bochum rund 1,43 Prozent weniger Straftaten verübt. Damit liegt die Stadt deutlich unter dem Landestrend. Für ganz Nordrhein-Westfalen verzeichnete das Innenministerium nämlich einen Zuwachs der Kriminalität um 1,09 Prozent.

  • Von den 36.924 Straftaten im Jahr 2014 konnten 51,04 Prozent aufgeklärt werden.
  • Die Zahl von sexuellem Missbrauch von Kindern sank von 50 auf 44 Fälle.
  • 2498 Mal wurden Wertsachen aus Autos geklaut. 2013 waren es noch 2924 angezeigte Fälle.
  • Zunehmend hingegen ist der Fahrraddiebstahl. 2014 wurden der Polizei 1250 Diebstähle bekannt.
  • 2014 gab es in Bochum drei Drogentote – das ist die niedrigste Zahl seit zehn Jahren.