Polizisten proben in authentischer Kulisse den Ernstfall

Praxistag Rettungshelfer-Ausbildung

Mit Demonstranten, Verletzten und einer Menge Kunstblut haben zwölf Beamte der Bereitschaftspolizei in Wattenscheid den Praxistag ihrer Rettungshelferausbildung absolviert. So wappneten sie sich für den Alltag einer Hundertschaft.

BOCHUM

von Von Julia Wessel

, 25.04.2012, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Polizisten und Rettensassistenten absolvieren die Ausbildung in Wattenscheid gemeinsam.

Polizisten und Rettensassistenten absolvieren die Ausbildung in Wattenscheid gemeinsam.

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Rettungsausbildung Polizei

Mit Demonstranten, Verletzten und einer Menge Kunstblut haben zwölf Beamte der Bereitschaftspolizei in Wattenscheid den Praxistag ihrer Rettungshelferausbildung absolviert. So wappneten sie sich für den Alltag einer Hundertschaft.
25.04.2012
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Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Am Gleis wird das Szenario eines Unfalls bei einer Castor-Demo nachgestellt.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Einen Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma müssen die Polizisten bei der Übung am Gleis versorgen. Der Statist ist authentisch geschminkt, das macht die Szene real.© Foto: Julia Wessel
Polizisten und Rettensassistenten absolvieren die Ausbildung in Wattenscheid gemeinsam.© Foto: Julia Wessel
Polizisten und Rettensassistenten absolvieren die Ausbildung in Wattenscheid gemeinsam.© Foto: Julia Wessel
Während die Hundertschaft in der Übung pöbelnde Fans zurückdrängt, bricht ein Kollege mit einem Herzanfall zusammen.© Foto: Julia Wessel
Während die Hundertschaft in der Übung pöbelnde Fans zurückdrängt, bricht ein Kollege mit einem Herzanfall zusammen.© Foto: Julia Wessel
Während die Hundertschaft in der Übung pöbelnde Fans zurückdrängt, bricht ein Kollege mit einem Herzanfall zusammen.© Foto: Julia Wessel
Während die Hundertschaft in der Übung pöbelnde Fans zurückdrängt, bricht ein Kollege mit einem Herzanfall zusammen.© Foto: Julia Wessel
In der Übung müssen die Bereitschaftspolizisten ihren vermeintlich leblosen Kollegen erst von seiner Schutzweste befreien, bevor sie reanimieren können.© Foto: Julia Wessel
In der Übung müssen die Bereitschaftspolizisten ihren vermeintlich leblosen Kollegen erst von seiner Schutzweste befreien, bevor sie reanimieren können.© Foto: Julia Wessel
Diesen gelben Rucksack mit der Rettungsausrüstung hat die Hundertschaft immer dabei.© Foto: Julia Wessel
Für die Reanimation muss dann aber doch eine Puppe herhalten.© Foto: Julia Wessel
Für die Reanimation muss dann aber doch eine Puppe herhalten.© Foto: Julia Wessel
In der Übung müssen die Bereitschaftspolizisten ihren vermeintlich leblosen Kollegen erst von seiner Schutzweste befreien, bevor sie reanimieren können.© Foto: Julia Wessel
In der Übung müssen die Bereitschaftspolizisten ihren vermeintlich leblosen Kollegen erst von seiner Schutzweste befreien, bevor sie reanimieren können.© Foto: Julia Wessel
Auch die Feuerwehr schickte Rettungsassistenten in die Übung, die übernehmen den Notfall von den Polizisten.© Foto: Julia Wessel
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Der Polizist rennt los, gemeinsam mit Dutzenden anderen Bereitschaftspolizisten auf die pöbelnde Menge zu. Dann gerät der Mann ins Stolpern und bricht zusammen. Herzstillstand. Die Hundertschaft hält die Hooligans im Zaum, zwei Kollegen sprinten los. Zwei Kollegen mit einem gelben Rucksack.

Schreie und Radau lassen das Szenario auf dem Fußballfeld hinter der Rettungswache Grünstraße ernst wirken. Und das ist es auch. Ernst, aber nicht echt. Die pöbelnden Fußballfans sind Feuerwehr-Kollegen, der Bereitschaftspolizist erfreut sich eigentlich bester Gesundheit und bräuchte die Ausrüstung aus dem gelben Rucksack nicht. Doch: Zwölf Bereitschaftspolizisten proben beim Praxistag ihrer Rettungshelferausbildung den Ernstfall. „Wir haben gezielt Fälle aus dem Alltag der Bereitschaftspolizei gewählt“, sagt Feuerwehrsprecher Simon Heußen. Stich- und Schussverletzungen, Brandwunden durch Molotowcocktails, Herzkreislaufversagen, wie bei der Fußballstadion-Szene. Oder ein Schädelhirntrauma.

Blutrot tropft es aus Nase und Ohren eines anscheinend bewusstlosen Mannes. Sein Kopf liegt im Kiesbett neben den Gleisen. Erstversorgung, Stabilisation und Abtransport stehen nun auf dem Übungsplan. „Hier haben wir eine Castor-Situation inszeniert“, erklärt Simon Heußen. „Ein Demonstrant sollte vom Gleis getragen werden, ist gestürzt und mit dem Kopf auf die Schienen geschlagen.“ Es ist eine Übung, doch die Atmosphäre ist angespannt. Die Beamten arbeiten konzentriert, sichern den Mann, der mit geschlossenen Augen am Boden liegt, hüllen ihn in eine Rettungsdecke. Ein Polizist hält einen Infusionsbeutel in der Hand. Die Verletzungen sind auch hier nicht echt, das Opfer ist ein Kollege. Doch dessen Maskerade zeigt Wirkung, die geschminkten Verletzungen erhöhen den Realitätsbezug.

„Die machen das schon sehr gut“, sagt Polizeisprecherin Kristina Räß. Wenn zwischendurch einmal eine Hand zittere, liege das wohl eher am Stress. Der ist nachvollziehbar, Dutzende Polizisten stehen in Einsatzmontur um sie herum. Soeben waren sie noch Teil der nachgestellten Demo-Szene, jetzt schauen sie den Kollegen auf die Finger. Dass es dabei aufregend werden kann, bestätigt Kursteilnehmer Philipp Lockmann: „Man kommt natürlich unter Stress.“ Der Bereitschaftspolizist weiß den Praxistag jedoch zu schätzen. Auch wenn das bedeutet, dass er und seine Kollegen sich unter sonnigem Wattenscheider Himmel auch mal durch den Schlamm eines Feuerwehr-Fußballfelds wühlen müssen. „Im Einsatz kann andauernd was passieren, da ist es gut, wenn man Handlungssicherheit hat“, sagt er und blickt zu seinen Kollegen, die den Herzmuskel einer Übungspuppe bearbeiten.

Retterisches Neuland betreten die Einsatzkräfte nicht. Ein Erste-Hilfe-Kurs jährlich ist ebenso Pflicht wie die Rettungshelferausbildung. Allerdings wurden die Beamten seit 2010 gemeinsam mit Rettungsassistenten der Feuerwehr ausgebildet. „Das waren dann immer mal ein, zwei Personen, die wir in unsere Kurse integriert haben“, so Heußen. Dann fragten zwölf Beamte auf einen Streich den Kurs an, da habe sich die Abstimmung des Inhalts auf den Polizeidienst angeboten.