Polnische Avantgarde zur Kulturhauptstadt

Kunstmuseum Bochum

Um polnische Kunst kommt man im Ruhrgebiet derzeit kaum herum: Neben dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, der Kunsthalle und dem morgen eröffnenden Museum Jerke in Recklinghausen schaut auch das Kunstmuseum Bochum nach Osten. Die Schau "Wilder Westen" ist ein Beitrag zur Kulturhauptstadt Breslau.

BOCHUM

, 22.04.2016, 15:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Autohemo“ heißt dieses Foto von Krysztof Zarebski aus dem Jahr 1976.

„Autohemo“ heißt dieses Foto von Krysztof Zarebski aus dem Jahr 1976.

Das niederschlesische Wroclaw (Breslau) wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs - teilweise von den deutschen Einwohnern selbst - weitgehend zerstört. Die neue polnische Obrigkeit wollte die deutsche Geschichte der "wiedergewonnenen Gebiete" am liebsten komplett ausradieren. Dafür unterstützte die Staatspartei mitten in der Blütephase des Sozialistischen Realismus sogar aktiv Avantgardekunst.

Westen und Osten

Vom Treiben dieser Künstler ab Mitte der 1960er-Jahre bis in die 1980er erzählt die vom Zeitgenössischen Museum Wroclaw kuratierte Schau.

Der Ausstellungstitel "Wilder Westen" ist gut gewählt, weil die künstlerische Entwicklung, die in West-Polen (trotzdem mitten im Ostblock) ihren Lauf nahm, durchaus anschlussfähig war an die westeuropäische Szene. Happenings und Interventionen im öffentlichen Raum, Konzeptkunst, Urbanismus, Futurismus, Bildende Kunst, die die Verbindung zur Architektur sucht - oder negiert: All das fand in Wroclaw statt.

Deutsche Vergangenheit

Das Kunstmuseum Bochum erinnert darin mit Fotografien, Installationen, Filmen, insgesamt 500 Ausstellungsstücken. Dem Besucher leuchtet gleich zu Beginn der Schriftzug "Es beginnt in Wroclaw" entgegen. Mit dieser Arbeit bezog sich der Posener Künstler Rafal Jakubowicz 2008 auf seinen Warschauer Kollegen Zbigniew Gostomski, der den Schriftzug in polnischer Sprache auf dem Künstlersymposium Wroclaw 1970 vorgestellt hatte.

Den optimistischen Appell für einen Neuaufbruch von damals heute in deutscher Sprache zu präsentieren, zeigt auch das neue Selbstverständnis der Stadt, die ihre deutsche Vergangenheit nicht mehr verleugnet. Dafür stehen beeindruckende Kooperationen wie die mit dem Kunstmuseum Bochum.

Kunstmuseum Bochum: "Wilder Westen. Die Geschichte der Avantgarde in Wroclaw", bis 8. Mai 2016, Kortumstraße 147. Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr.

 

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