"Pornoladen": Episoden aus dem Wunderland der Triebe

Schauspiel Essen

"Wollen Sie ein Heft? Sie müssen ja nicht reingucken, es ist widerlich. Nur zur Einstimmung." Lisa Jopt und Johann David Talinski, er mit Zylinder, sie als Straps-Maus, geben die Zeremonienmeister. Und verteilen Schmuddelhefte mit blanken Brüsten drauf. Willkommen im "Pornoladen", einem Theaterprojekt am Essener Schauspiel, das aus Expertenmund von käuflicher Liebe erzählt.

ESSEN

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 26.05.2013, 14:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zeremonienmeister mit Zylinder und Strapse im "Pornoland": Johann David Talinski und Lisa Jopt

Zeremonienmeister mit Zylinder und Strapse im "Pornoland": Johann David Talinski und Lisa Jopt

Jopt und Talinski sind Schauspieler, alle anderen treten als sie selbst auf: Ex-Pornodarsteller, Ex-Strichjungen, Althure und "Knacki", ein Verkäufer vom Sexshop, Sozialarbeiter, die Prostituierte betreuen.

Premierenjubel am Freitag in der "Casa" - auch als Lohn für Marc-Oliver Krampes Recherche im Milieu.Im Unterleib der Stadt Leute mit Erfahrung in Sachen Sex gegen Geld meldeten sich auf seinen Aufruf, erzählten ihre Geschichte und waren meist auch bereit, dies auf der Bühne zu tun.

 Aus den Interviews hat der Regisseur ein Erzählstück (mit Musik und Video) "aus dem Unterleib der Stadt" destilliert.Aus dem Wunderland der Triebe Die Akteure treten an die Rampe oder reportieren aus den Fenstern einer Glasbauwand, was sie erlebt haben. Episoden aus dem Wunderland der Triebe, etwa vom "Wackel", dem Essener Schwulenstrich. Wo geizige Kunden "Frikadellenfreier" heißen und andere glotzend um das Angebot kurven - in der "Casa" per Bobbycar.

Tabuthema Sex ist eine Ware, Nachfrage bestimmt Angebot. Fraences, seit 30 Jahren Hure, sieht sich als Dienstleisterin und engagiert sich für die Rechte von Prostituierten. Die ausgebildete Sexualbegleiterin Catharina sorgt dafür, dass auch Behinderte Sex erfahren. Upps, das ist ein Tabuthema!

Schluss mit Versteckspiel

Hier treten die Mutigen auf, nicht etwa ohnmächtige Opfer. Die finden auch Erwähnung, wenn Sozialarbeiterin Dorothee aus der Beratungsstelle "NachtFalter" erzählt. Krampe verharmlost nichts, er gibt lediglich denen eine Stimme, die sich nicht als Opfer begreifen. Schluss mit dem Versteckspiel, raus aus der Schmuddelecke! Die Tiraden eines anonymen Briefeschreibers ("Sauspiel Essen") taugen wirklich nur zur (amüsant eingeklinkten) Fußnote.Hier geht es um Menschen, nicht um Pornos. Viel Beifall. 

Termine: 29.5., 1., 2., 9.6., Karten: Tel. (0201) 82 22 200.

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