Positive Bilanz trotz schwierigem Kultur-Jahr

Michael Townsends Rückblick

Das erste Jahr nach der Kulturhauptstadt – was hat es gebracht? Trotz Nothaushalt zieht Kulturdezernent Michael Townsend eine positive Bilanz: „Es war ein schwieriges, aber erfolgreiches Jahr.“

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 30.12.2011, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kultur- und Schuldezernent Michael Townsend fordert die Politik auf, die Kosten für die Kultur mitzutragen.

Kultur- und Schuldezernent Michael Townsend fordert die Politik auf, die Kosten für die Kultur mitzutragen.

Hohe Qualität

  • Schauspielhaus: „Das Theater hat ein gutes Jahr gehabt“, betont Townsend, dass die Produktionen der neuen Saison auf positive Resonanz gestoßen sind. Die Auslastungsquote sei sehr hoch, bei über 75 Prozent. „Das ist in Bezug auf die Auslastung eine der besten Spielzeitstarts bisher.“ Finanziell war es ein schwieriges Jahr. Townsend: „Zurzeit ist der Gutachter im Haus, der ein Sanierungskonzept entwickelt, um dauerhaft Sicherheit und Ruhe zu erreichen.“

Hohe Qualität

  • Symphoniker: Der Kulturdezernent lobt die hohe Qualität des Orchester. „Es hat eine Riesenresonanz, obwohl die Projekte alles andere als einfach waren. „Wunde Wagner“ zum Beispiel: Es war mutig und gut, dass Steven Sloane so etwas gemacht hat.“ Als einziges Orchester in der Region, dass kein Musiktheater bespielen muss, habe es außerdem die Luft, auch so etwas wie ein Tournee mit Sting zu unternehmen.
  • Musikzentrum: Das Wettbewerbsverfahren beginnt jetzt. Townsends großer Dank geht an die Stiftung Bochumer Symphonie, die den Architektenwettbewerb finanziert und damit voll ins Risiko geht. Townsend betont erneut. „Es geht nicht darum, dass noch vier Millionen fehlen. Es sind fast 30 Millionen Euro da.“ Er ist sicher, dass der Architektenwettbewerb eine gute Lösung bringt. „Funktional, sicher nicht extravagant“.
  • Ruhrtriennale: „Es war ein tolles Ruhrtriennale-Jahr mit der triumphalen Eröffnung mit Deckers Wagner-Inszenierung. Es ist ein Festival, das international mit renommierten Festivals auf Augenhöhe ist.“ Townsend verweist darauf, dass mit dem Umzug der Kultur Ruhr GmbH Bochum Standort der Ruhrtriennale werden wird.
  • Freie Szene: Hier hat sich die Haushaltslage vielleicht am bittersten ausgewirkt. Über Jahre gab es bereits keine Mittelsteigerung mehr. Da trafen die Kürzungen 2011 besonders hart. „Sie machen aus dem wenigsten viel“, sagt Townsend und weiß, dass es eine Frage der Zeit ist, bis die ersten aufgeben müssen. Er verspricht: „Wenn wir wieder Herr über den Haushalt sind, werden wir versuchen, der freien Szene eine Atempause zu verschaffen.“

Konferenz geplant

  • Für Beginn des Jahres plant er eine Konferenz mit Vertretern der Freien Szene. Dennoch kann Townsend auch hier auf Erfolge verweisen, nennt als Beispiel das prinz regent theater, das sein Jubiläum mit einer gelungenen Buddenbrooks-Inszenierung feierte. Auch der Bahnhof Langendreer konnte Jubiläum feiern. Das Rottstr5-Theater hat es gar zu Nominierungen bei Theaterrankings geschafft. Doch zuletzt konnte das kleine Theater nur mit Unterstützung der Sparkassen-Stiftung weitermachen. Townsend berichtet von Bemühungen, dass das Land in die Förderung einsteigt. „Das Rottstr5-Theater soll eine institutionelle Förderung erhalten.“
  • Bildende Kunst: Das Kunstmuseum erzielt mit einem relativ kleinen Budget maximale Effekte“, lobt Townsend. Er freut sich, dass die Lichtinstallation „Skyline“ von Morellet jetzt dauerhaft erworben wurde. „Mit dem Kunstmuseum, Situation Kunst, der benachbarten Galerie m, und der Kunstsammlung der RUB ist Bochum auch einer der großen Kunststandorte.“
  • Nachhaltigkeit: Dieses 2010 viel benutzte Wort hat sich tatsächlich häufig eingestellt. Townsend nennt die Designmesse gut., die ein klassisches Nachfolgeprojekt ist. Auch die Zusammenarbeit der Ruhrkunst-Museen, eines der großen Vernetzungsprojekte, oder der Künstlerbünde, die Entwicklung des Kubus von Situation Kunst, Urbanatix oder X-Vision zählt er weiter auf. Ach ja, da ist auch noch ein 2010-Projekt. „Ich glaube fest daran, den Platz des europäischen Versprechens zu einem guten Ende zu bringen. Das Projekt hat es verdient.“

Lebenswerte Stadt

  • Und sonst: Es gibt viel mehr, was für den Dezernenten Bochum zu einer äußerst lebenswerten Stadt macht: das Planetarium, das neue Besucherrekorde erreicht, das Deutsche Bergbau-Museum, das in aller Welt mit seinen Forschern unterwegs ist, die Musikschule, die bald 12 000 Schüler zählen wird und immerhin 150 festangestellte Musiklehrer beschäftigt, die Bibliothek mit immerhin 2,2 Millionen Ausleihen oder das Zentrum für Stadtgeschichte.
  • Dazu kommt die extrem starke kulturwirtschaftliche Szene: Zeltfestival, Bochum Total, die Zeche, die seit 30 Jahren besteht, Starlight Express. Im Ehrenfeld und im Katholikentagsbahnhof hat sich eine neue Szene entwickelt. Viel mehr weiß Michael Townsend aufzuzählen. Kein Wunder, dass er, der seit viereinhalb Jahren in Bochum lebt, manchmal einen großen Stolz der Bochumer einklagen will. Denn für ihn steht fest: „Mit Stolz kann ich sagen, Bochum ist einer der großen Kulturplayer der Region.“