Postkarten von Opa aus Essen

Museum Folkwang Essen

Obwohl die weltweit bekannte Künstlerin Katharina Fritsch aus Essen stammt und manche ihrer Werke Essener Motive zeigen, ist sie in ihrer Heimatstadt relativ unbekannt. Umso mehr hat sich Museumsdirektor Tobia Bezolla gefreut, eine Ausstellung von Fritsch ins Museum Folkwang nach Essen zu holen.

ESSEN

, 12.05.2016, 17:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

14 Arbeiten, drei Skulpturen und elf Siebdrucke, sind dort ausgestellt. Die Drucke zeigen Postkarten aus den 70er- und 80er-Jahren mit Motiven aus Essen: den Baldeneysee und den Gruga-Park.

Erinnerungen an erste Heimat

Die Postkarten hat Fritsch' Großvater seiner Enkelin geschickt, die schon als Kind nicht mehr in ihrer Geburtsstadt Essen lebte. "Die Karten sind Erinnerungen an meine erste Heimat", sagt Katharina Fritsch (Foto).

Schon 2005 und 2006 hat sie einige der Postkarten ausgewählt, fotografiert und vergrößert. Anschließend hat sie riesige Siebdrucke anfertigen lassen und dabei die ursprünglichen Motive durch farbliche Verfremdung neu inszeniert.

Oben rot, unten blau

So ist eine Segeljolle auf den Baldeneysee "oben rot und unten blau", erklärt die 60-Jährige die einfache und doch sehr effektvolle Farbgestaltung eines ihrer Werke.

Etwas fremd wirkt "Der Riese", eine lebensgroße Plastik - Skulptur von einem Neandertaler, der mitten im Ausstellungsraum vor den Postkarten vom Baldeneysee steht. "Zu dem Riesen hat mich ein Taxifahrer in Düsseldorf inspiriert", sagt Fritsch. So entstünden ihre Werke meistens, aus dem Moment heraus. "Es sind Abbilder von Erscheinungen, die ich versuche, zu rekonstruieren", so Fritsch.

Idylle durchbrechen

Zur Ausstellung gehören auch drei Siebdrucke und eine Skulptur, die aus Platzgründen in die Villa Hügel ausgelagert wurden. "Auch inhaltlich stellen die Werke dort aber eine abgeschlossene Komposition dar", sagt Anna Fricke, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im Museum Folkwang. Denn zum einen sind es keine Postkarten, sondern von Fritsch im Jahr 1977 selbst gemachte Fotografien. Zum anderen zeigen sie nicht die beliebten Essener Ausflugsziele, sondern den Garten ihrer Großeltern in Langenberg. Sie sind aber ebenso farblich verfremdet und in Zusammenhang mit einer Skulptur zu sehen, den "Skelettfüßen".

"Katharina Fritsch will die Idylle durchbrechen", sagt Kuratorin Fricke. Zumindest mit den Skelettfüßen gelingt ihr das sehr gut. Knöchern stehen sie vor einen farbenfrohen Garten-Foto und wirken dabei zugleich rastlos und schaurig.

Museum Folkwang Essen: "Katharina Fritsch", bis 30. Oktober, Museumsplatz 1, Di, Mi 10-18 Uhr, Do, Fr 10-20 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr, Eintritt frei. Villa Hügel Essen, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt 5 Euro.