"Pottkinder" ist ein Revier-Film ganz ohne Kohle gemacht

Im Kino

Vor der "Lichtburg" ist alles wie immer. An den Barrikaden, zugeklebt mit Filmplakaten, drängen sich Schaulustige. Applaus, als Gerburg Jahnke, Manni Breuckmann, Hennes Bender, Kai Magnus Sting am roten Teppich erscheinen."Pottkinder" heißt der Film, der in Essen Premiere feiert. Kann der Amateurfilm überzeugen?

16.05.2017, 17:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mama (Patricia Höfer, r.) auf dem Boule-Platz

Mama (Patricia Höfer, r.) auf dem Boule-Platz

Keiner  kennt die Darsteller Patricia Höfer, Michael Mölders und Gerd Fleuren. Und wer bitte ist Alexander Waldhelm? Nun - er ist der Mann, der sich einen Traum erfüllt: Regie führen und vor Publikum seinen Film präsentieren.

Drehbuchautor filmt auf eigene Kappe

Die Geschichte hinter "Pottkinder" ist die des Kinofreundes aus Mülheim, der auf Zugfahrten über einem Drehbuch brütet, das er verkaufen will. Als niemand anbeißt, dreht Waldhelm (41) "auf eigene Kappe". Ohne Kohle, ohne filmische Ausbildung, unterstützt von 150 Laien, die wie er durchs Machen lernen.

Als Regisseur, Autor und Hans Dampf in allen Gassen tut Waldhelm an die 40 Sponsoren auf, von der Edeka-Filiale bis zum Imbiss. Comedians bittet er, Gastrollen zu spielen. Torsten Sträter, Wilfried Schmickler, Fritz Eckenga und die oben Genannten sagen zu. Drei Jahre dauert der Dreh. Jetzt also der große Tag vor vollem Saal. Und wie ist der Streifen so? Ähem, tja - es ist ein Amateurfilm.

Film könnte zum Traumtänzer des Reviers werden

Szenen um Mutter (Patricia Höfer), Vater (Gerd Fleuren), Sohn (Michael Mölders): Papa geht zur Arbeit, Mama ist depressiv, der Filius sucht einen Job. Die Comedians spielen Pförtner, ein running gag. Deutliche Längen, Dramaturgie mau, Humor so lala, Musik zu laut, Dialoge, die nach Papier rascheln.

Das Publikum würdigt den Film mit Applaus, Alexander Waldhelm wird zufrieden sein. Er hat weitere Vorstellungen in Oberhausen, Essen, Mülheim, Dortmund (Schauburg, 11.6.) organisiert, läuft aber Gefahr, zum Ed Wood des Reviers zu werden, zum heimlich belächelten Dilettanten und Traumtänzer. Ob er das weiß?

 

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