Premiere für "Ein Mond für die Beladenen"

Kammerspiele

BOCHUM In Zeiten der Krise gewinnt "Ein Mond für die Beladenen" Aktualität. Doch Eugene O'Neill, so zeigt es Armin Petras in den Kammerspielen, erzählt vor allem eine in ihrer Tragik und Unmöglichkeit wunderbare Liebesgeschichte.

von von Ronny von Wangenheim

, 04.06.2010, 19:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Premiere für "Ein Mond für die Beladenen"

Anja Schneider (Josie Hogan) und Thomas Anzenhofer (Phil Hogan).

Sie können nicht zusammen kommen: Josie, deren Sehnsucht so groß ist wie ihre Klappe, die mit jedem Mann ins Bett geht und doch weiß, dass ihre Seele Schönheit besitzt. Und Jim Tyrone, Großgrundbesitzer, Alkoholiker, sich seiner Erbärmlichkeit bewusst - ein Verlorener. Eine Nacht nur haben sie. Doch je näher sie sich kommen, desto weniger ist Liebe möglich. Josie kann Tyrone nur in eine Umarmung locken, in dem sie sich mit Whiskey übergießt. Da stürzt er sich auf sie, um ihr den Alkohol aus dem Kleid zu saugen - ein starkes Bild. Für ihre Liebeserklärung stellt Armin Petras Anja Schneider und Christian Kuchenbach dann auf zwei Steinstapel - einsam, unerreichbar voneinander entfernt.

Die passende melancholische Grundstimmung schafft Thomas Anzenhofer, der zur Gitarre "White Flag" anstimmt. Auch sein Phil Hogan ist ein Außenseiter, der seine Söhne in die Flucht gejagt hat und dessen Liebe zur Tochter sich hinter Bösartigkeiten versteckt.

Klassenkampf, Kapitalismuskritik bündeln sich in der Figur des mit Öl reich gewordenen Harders. Er bedroht mit seinen Kaufabsichten das Leben von Josie und ihrem Vater Phil, die sich auf dem gepachteten, steinigen Boden abplagen. Alexander Maria Schmidt darf mit Heuschreckenpulli und Zylinder, dann auch mit der Maske des Jokers auftreten, ein paar Zauberkunststücke zeigen und Parolen in den Zuschauerraum rufen, die man schnell vergessen hat.

Doch die Lage ist für Armin Petras ernster, als es diese Auftritte suggerieren, ernster, als O'Neill es gewollt hat: Am Ende steckt Harder Jim Tyrone ein dickes Geldbündel zu. Was statt der Farm auf Vater und Tochter wartet, deutet das Holzgerüst eines Hauses an, das über sie gesetzt wird.

Am Ende ist der Applaus groß für die vier Schauspieler. Wobei für das Bochumer Publikum vor allem Anja Schneider eine Entdeckung ist.Wandlung Wie die Schauspielerin des Maxim Gorki Theaters sich wandelt von dem verhaltensauffälligen, zwanghaft handelnden und die Unterlippe vorschiebenden Mädchen mit Gummizugjeans und Holzfällerhemd zur Frau mit Glitzerpulli und High Heels, die sich auch im Scheitern ihrer Stärke bewusst ist, ist beeindruckend.