Premiere hinterlässt sprachloses Publikum

"Ein Werk verschwindet"

Großer Andrang am Freitagabend im Endstation Kino in Langendreer. Mit dem Illusionsfilm "Ein Werk verschwindet" wurde bereits die 7. Premiere im Rahmen des Detroit-Projekts gefeiert.

LANGENDREER

von Von Daniela Schmidt

, 18.05.2014, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hannah Hofmann und Sven Lindholm lassen in einer kollektiven Illusion das Opel-Werk verschwinden.

Hannah Hofmann und Sven Lindholm lassen in einer kollektiven Illusion das Opel-Werk verschwinden.

Der Film ist ab sofort täglich um 18.15 Uhr in der Eve-Bar zu sehen, am 29. Juni in den Kammerspielen. Der Eintritt ist frei.

Es ist kurz vor halb acht, die Welt ist noch in Ordnung, die Vorstellung beginnt. Hofmann&Lindholm gehen sensibel mit der empfindlichen Thematik um. Der Film klagt nicht an und sucht keine Schuldigen, er ist nicht sensationsheischend. „Es ist die Metapher eines Moments der Imagination“, sagt Sven Lindholm, „etwas, was das Leben vieler über Jahrzehnte geprägt hat, ist plötzlich weg.“ Mächtig und stolz sieht das Opelwerk bei Nacht aus wie immer. Die Presse versieht im lauten Gleichtakt ihre Arbeit, irgendwo bellt ein Hund. Scheinwerfer tasten stetig die Front des Verwaltungsgebäudes ab. Und plötzlich ist es… weg. Der Blick fällt auf eine riesige, nackte Asphaltfläche. Die Scheinwerfer greifen ins Leere. Das Geräusch der Presse ist verstummt. Stille. „Es war so lange da und jetzt ist es… weg“, sagt eine Frau im Film. Fassungslosigkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Nach dem 30-minütigem Kurzfilm ist auch das Premierenpublikum still. Es gibt Applaus, aber keinen tosenden. Die Regisseure wollen nichts sagen. Olaf Kröck, Dramaturg am Schauspielhaus, kann nichts mehr sagen. Tief sitzt ihm der Kloß im Hals. Schweigend verlässt das Publikum den Kinosaal. Es dauert ein paar Augenblicke, bis man wieder in der Realität angekommen ist. „Ich bin bedrückt“, sagt Eric Osladil. „Es ist nicht begreifbar, dass das bald wirklich so aussehen kann“, fügt er hinzu. „Ein Werk verschwindet“ trifft das Detroit-Projekt in seinem innersten Kern und lässt den Herzschlag einer ganzen Region binnen Sekunden verstummen. „Was wäre, wenn ich Montag zur Arbeit komme und das Werk ist nicht mehr da?“, fragt sich Opelaner Markus Bauer. Dieser Gedanke übersteigt seine Vorstellungskraft.

Der Film ist ab sofort täglich um 18.15 Uhr in der Eve-Bar zu sehen, am 29. Juni in den Kammerspielen. Der Eintritt ist frei.

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