prinz regent theater bringt "Buddenbrooks" auf die Bühne

Spielzeitauftakt

Sieben Schauspieler und ein Kind stehen zum Beginn der Spielzeit des prinz regent theaters auf der Bühne. Das gab es zuletzt vor zehn Jahren. Die Spielzeit beginnt allerdings auch mit einem gewaltigen Stück: Buddenbrooks von Thomas Mann.

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 09.09.2011, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Familienaufstellung: v.l. Christoph Wehr, Stephan Ullrich, Renate Becker, Lydia Schamschula, Frank Trunz und Wolfram Boelzle, außerdem Katrin Schmieg spielen in Buddenbrooks.

Familienaufstellung: v.l. Christoph Wehr, Stephan Ullrich, Renate Becker, Lydia Schamschula, Frank Trunz und Wolfram Boelzle, außerdem Katrin Schmieg spielen in Buddenbrooks.

Vorstellungen

Erste Vorstellungen sind am 16., 17. und 18 September.

„Verfall einer Familie“ nannte Thomas Mann sein 1901 erschienenes Werk im Untertitel. Genau dieser Verfall der Familie ist es, der die Regisseurin interessiert. Sie stützt sich auf die Theaterfassung von John von Düffel aus dem Jahr 2005. „Es ist eine wirklich gute Dramatisierung“, urteilt sie. Allerdings hat sie den Text noch weiter bearbeitet.Die Theaterinszenierung beginnt erst mit der zweiten Generation, mit dem Konsul Johann Buddenbrook, der seine Firma nach strengen kaufmännischen Prinzipien leitet und das Geschäft vor private Interessen stellt. Das eigentliche Interesse von Sibylle Broll-Pape gilt den drei Geschwistern. Thomas, der versucht die Firma nach der Familientradition weiter zu führen, der Lebemann Christian, ein verkappter Künstler, und Tony, die nach einer unglücklichen Ehe wieder im Elternhaus landet.

„Es ist eine unglaubliche moderne Geschichte“, sagt Sibylle Broll-Pape. Und dies in Zeiten der Finanzkrise nicht nur wegen der Fokussierung auf ökonomisches Denken. Familien, die etwas aufbauen, es erhalten, dann aber in der dritten, vierten Generation scheitern, mit den Widersprüchen zwischen äußerem Anspruch und innerem Bedürfnis nicht klar kommen - das ist für die Regisseurin aktuell. Was bei Thomas Mann noch Zönästhesie oder Hypochondrie heißt, ist heute Depression und Burnout.

Sibylle Broll-Pape hat sich für ihre Inszenierung auch mit Familienaufstellung beschäftigt, mit dem Einfluss, den auch nicht anwesende Familienmitglieder haben. Und deshalb stehen alle Schauspieler stets auf der Bühne. Zum ersten mal im prinz regent theater spielen Renate Becker (Konsulin), die unter Elmar Goerden am Schauspielhaus als Shylock zu sehen war, Frank Trunz (Konsul) und Lydia Schamschula (Tony). Nach langer Zeit ist Christoph Wehr wieder mal an der Prinz-Regent-Straße zu sehen, zum festen Stamm gehört Katrin Schmieg. Wolfram Boelzle und Stephan Ullrich spielen die Brüder Thomas und Christian. Sibylle Broll-Pape: „Boelzle und Ullrich zusammen auf der Bühne ist immer eine Freude. Sie sind schon ein tolles Gespann“.  

Am 13. September 1991 eröffnete das prinz regent theater. Vier freie Theatergruppen hatten gemeinsam das freie Theater gegründet. Ecce Homo und Sezession verließen den Spielort wieder. Es blieben Sibylle Broll-Pape, die die Leitung übernahm, und Petra Afonin, die über viele Jahre ihre Produktionen zeigte. Dazu kam Frank Goosen, damals als noch wenig bekannter Tresenleser. Dafür wurden der Anteil der Gastspiele drastisch reduziert. Schnell stieg das Renomee. Stadt und Land sicherten feste Zuschüsse zu. Doch seit zehn Jahren stagnieren die finanzielle Zuwendung. Sponsoren, allen voran Stadtwerke und Sparkasse, helfen. Zum 20-jährigen Bestehen wird sich jetzt zudem ein Förderverein gründen. 

Vorstellungen

Erste Vorstellungen sind am 16., 17. und 18 September.