Projekt junger Studentin soll Flüchtlinge mobiler machen

Daumen hoch für Freifahrten

Sie ist erst 22 Jahre alt und schon die Gründerin eines eigenen Sozialprojekts. Rebecca Radmacher aus Duisburg will Flüchtlingen helfen besseren Anschluss zu finden und mobiler zu sein. Und das alles soll mit der Hilfe von einem kleinen blauen Button geschehen, der einen weißen Daumen zeigt.

BOCHUM

, 14.10.2015, 09:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Essenerin Rebecca Radmacher bringt Bewegung in die Flüchtlingsthematik - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die 22-Jährige absolvierte ein Praktikum bei der Caritas in Essen und entwickelte dabei eine Projektidee. 

Unter dem Titel "Flüchtlinge mitnehmen" ist das nun seit einigen Tagen am Start. Dabei können sich Besitzer eines NRW-Semstertickets oder eines sonstigen Bahntickets, das die Mitnahme einer zweiten Personen erlaubt, bei der Caritas und einigen Stationen an der Ruhr Universität Bochum sowie Universität Essen/Dusiburg einen blauen Button abholen, der einen weißen Daumen nach oben zeigt.

Dieser zeigt den Flüchtlingen an, dass sie auf Nachfrage auf dem Ticket der Person mitfahren können. "Ich habe durch die Begleitung von Flüchtlingen im Praktikum gemerkt, wie einfach es ist Kontakt zu knüpfen und aktiv zu helfen. Das möchte ich gerne weitergeben," sagt Radmacher. Und sie hat sich viel vorgenommen. 15.000 Buttons wollen sie in den nächsten Wochen verteilen. 

Auch der AStA in Bochum macht mit

8000 hat allein der AStA in Bochum bestellt. Er plant mehrere Infoveranstaltungen zum Projekt und will die Buttons in den nächsten Wochen unter den Bochumer Studenten verteilen. "Ich bin extra nach Essen gefahren und habe Infomaterial sowie die ersten Buttons geholt, damit wir direkt starten können. Wir sind über Facebook auf das Projekt aufmerksam geworden und haben sofort beschlossen, dass wir mitmachen", sagt Philip Wage, Kulturreferent des AStA Bochum. 

Wage selbst kenne viele Flüchtling und wisse um deren Probleme. Viele könnten sich das Sozialticket, das die Besitzer lediglich zu Bus- und Bahnfahrten in einer Stadt berechtigt, nicht leisten. Entweder hätten sie die 30 Euro einfach nicht, oder sie würden es sparen wollen, um ihren Familien im Ausland helfen zu können. 

Der Kulturreferent sieht zudem eine zweite Komponente bei dem Sozialprojekt, die er unterstützen möchte. "Es geht auch um den Symbolcharakter. Die Flüchtlinge sehen dann Menschen, die sie willkommen heißen und ihnen helfen wollen," erklärt Wage weiter.  

Workshops sollen Verbindungen schaffen

Doch mit den Buttons hört das Ganze noch nicht auf. Die Caritas Abteilung für Flucht und Integration gibt Workshops, um ehrenamtliche Mitarbeiten für Flüchtlingsheime auszubilden. "Wir wollen ein Netzwerk zwischen den Personen aufbauen die Flüchtlinge mitnehmen wollen und und den Flüchtlingen, die in verschiedenen Unterkünften leben,"sagt Radmacher. 

Unter anderem sind dabei auch Bewohner von Flüchtlingsunterkünften anwesend, die von ihren alltäglichen Schwierigkeiten in Deutschland berichten. Auch das Thema der Mobilität nimmt einen wichtigen Punkt ein. "Die Unterkünfte werden jetzt nach und nach informiert und von vielen Studenten haben wir schon ein positives Feedback bekommen", sagt die Essenerin, die soziale Arbeit studiert. 

Wichtig ist allerdings, dass die Buttons nur dann getragen werden, wenn die Ticketbesitzer auch jemanden mitnehmen können. In der Regel ist das an Wochentagen nach 19 Uhr sowie am Wochenende. Genauere Informationen finden Interessierte auch auf der Seite des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.  

http://www.vrr.de/de/service/fragen/tickets/

Der nächste Workshop findet am 13. November statt (Am Porscheplatz 1, 45127 Essen). Die Veranstaltung ist kostenlos. Das sogenannte Schokoticket für Schüler berechtig nicht zur Mitnahme einer zweiten Person.