Projekt sucht die 50 wichtigsten Orte des Ruhrgebietes

"Zeit-Räume Ruhr"

Bildbände mit dem blauen Himmel überm Revier gibt es genug. Aber wie war das Ruhrgebiet wirklich? Wo sind die 50 Orte, die unsere Geschichte geschrieben haben? Das will das Projekt "Zeit-Räume Ruhr" ergründen, bei dem ab September jeder mitmachen kann.

BOCHUM

, 16.06.2016 / Lesedauer: 2 min
Projekt sucht die 50 wichtigsten Orte des Ruhrgebietes

Dieses Plakat wird für das Projekt „Zeit-Räume“ werben. Heribert Konopka fotografierte 1965 Kinder an der Gelsenkirchener Zeche Scholven.

Das Projekt für Geschichts-interessierte geht nach den Sommerferien mit einer interaktiven Internet-Seite an den Start. Gesucht werden die 50 wichtigsten "Erinnerungsorte" unserer Heimat. Aber Achtung: Gemeint sind nicht nur reale Orte wie die Essener Zeche Zollverein, das Dortmunder Westfalenstation oder das Bochumer Bermuda-Dreiecke. Gemeint sind auch Themen wie Kohle, Bier, Stahl.

Kein Postkartenidyll

"Welche kollektiven Erinnerungen prägen uns?", fragt Theo Grütter als Leiter des Ruhr Museums. Postkartenidyllen suchen die Wissenschaftler nicht. Konfliktreiche Themen interessieren sie - wie der Arbeitskampf von Rheinhausen 1987. Grütter: "Das wird eine unheimlich interessante Spurensuche."

Wer mitmachen will, wird auf einer ersten Stufe über Erinnerungsorte abstimmen können. Viele Klicks sorgen dafür, dass ein Ort oder ein Thema in der Rangfolge aufsteigen. Außerdem sind moderierte Blogs (Internet-Tagebücher), Dialoge und Diskussionen geplant. Bürger können Texte, Fotos und Filme hochladen oder einsenden. Höhepunkt werden die Herausgabe eines preisgünstigen Buches und eine Tagung im Jahr 2018 sein.

Idee aus Frankreich

Die Idee der "Erinnerungsorte" hatte der französische Historiker Pierre Nora. Seit 2008 gibt es die "Deutschen Erinnerungsorte", zu denen Schiller und der Bamberger Reiter gehören. "Der Begriff neigt aber zur Romantisierung", warnt Stefan Berger, Direktor des Institutes für soziale Bewegungen (ISB) in Bochum. Deswegen haben die Wissenschaftler den Begriff "Zeit-Räume" gewählt und fragen auch - das hat es in keinem ähnlichen Projekt gegeben - nach Ideen für die Zukunft.

Das Projekt kostet 300 000 Euro, von denen ein Drittel der Regionalverband Ruhr und ein Drittel das Land NRW übernehmen. Den Rest bringen die Stiftung Ruhr Museum und das ISB auf.