Prozessauftakt um tödliches Unfalldrama auf A44

Angeklagter beteuert Unschuld

Ein Vater und sein Sohn tot, zwei weitere Personen verletzt: Ein tödliches Unfalldrama auf der A44 bei Witten beschäftigt seit Mittwoch das Wittener Amtsgericht. Angeklagt ist ein Kleinlasterfahrer. Zum Auftakt beteuerte der 33-Jährige seine Unschuld.

WITTEN

21.06.2017, 14:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Angeklagte und sein Verteidiger vor Prozessbeginn.

Der Angeklagte und sein Verteidiger vor Prozessbeginn.

Es war einer der schrecklichsten Autobahn-Unfälle der letzten Jahre: Der angeklagte Dachdecker saß am Abend des 13. Mai 2016 in einem Kleinlaster, fuhr auf der A44 in Richtung Bochum. Gegen 20.10 Uhr zog er laut Anklage bei Tempo 100 unvermittelt von der mittleren auf die linke Spur rüber - und löste damit eine verheerende Kettenreaktion aus.

Vater und Sohn hatten keine Überlebenschance

Denn: Ein von hinten mit Tempo 175 bis 205 heranfahrender BMW musste eine Vollbremsung machen, nach rechts ausweichen und raste dann in einen VW. Beide Fahrzeuge überschlugen sich. Der 18-jährige VW-Fahrer und sein Vater (52) als Beifahrer hatten keine Überlebenschance, sie erlagen kurze Zeit später ihren schweren Kopfverletzungen. Auch die Insassen des BMW erlitten einen schweren Schock und wurden verletzt.

Zum Prozessauftakt entschuldigte sich der Angeklagte: "Es tut mir schrecklich leid, was passiert ist." Er habe damals erst in den Spiegel geguckt, dann geblinkt und schließlich die Spur gewechselt. Der BMW war zu diesem Zeitpunkt nach seinem Empfinden aber "noch weit genug weg".

Angeklagter: "Habe nichts mitgekriegt"

Dass es kurz danach hinter seinem Kleinlaster zu der verhängnisvollen Kollision (laut Anklage gab es einen "ohrenbetäubenden Krach") gekommen ist, will der 33-Jährige nicht wahrgenommen haben. Er beteuerte: "Ich habe von diesem Unfall wirklich nichts mitgekriegt." Nur deshalb sei er ja auch erst weiter gefahren und habe sich erst später, nachdem er im Bekanntenkreis von dem Unfalldrama erfahren habe, bei der Polizei gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Dachdecker den Unfall durch einen unvermittelten Spurwechsel jedenfalls mitverursacht hat. Die Anklage lautet neben fahrlässiger Tötung und Körperverletzung außerdem auf Unfallflucht. Das Urteil am Wittener Schöffengericht soll voraussichtlich am Freitag verkündet werden.