Prügelnder Vater zu Bewährungsstrafe verurteilt

Stockschläge für den Sohn

Und immer auf den Rücken... Vor einem Jahr hat ein 41-jähriger Mann aus Herne seinen 16-jährigen Stiefsohn mit einem Stock verprügelt. Am Montag wurde er vor dem Bochumer Landgericht verurteilt.

HERNE/BOCHUM

25.09.2017, 13:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Gebäude des Landgericht und Amtsgericht in Bochum. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Das Gebäude des Landgericht und Amtsgericht in Bochum. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Die 5. Strafkammer des Bochumer Landgerichts hat ein Jahr Haft auf Bewährung verhängt – wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Und auch die Mutter des Jungen wurde verurteilt; weil sie die Stockschläge ebenfalls gewollt habe und ihrem Sohn bei einer anderen Gelegenheit außerdem heftig in die Wange gekniffen hatte. Ihre Strafe: 800 Euro an die Staatskasse.

Stiefschwester in die Wohnung gelassen

Der Anlass für die Prügelaktion war eine absolute Nichtigkeit. Während Mutter und Stiefvater das Wochenende in Holland verbrachten, sollte der damals 16-Jährige niemanden in die Wohnung lassen. Doch genau daran hatte er sich nicht gehalten. Die Besucherin war allerdings nicht irgendwer: Es war seine Stiefschwester. „Andere Familien wären froh, wenn sich die Kinder so gut verstehen“, sagte die Staatsanwältin. Die Bestrafungsaktion sei absolut nicht nachzuvollziehen. Und Richterin Isabell Hoffmann ergänzte: „Es ging hier einzig und allein um die Klarstellung der Machtverhältnisse in einer Familie: Hier ist das Oberhaupt – und der Junge hat zu gehorchen.“

Im Prozess hatten die ursprünglich aus Kenia und Nigeria stammenden Angeklagten zwar Geständnisse abgelegt, gleichzeitig aber auch ihr Unverständnis über Anklage und Prozess zum Ausdruck gebracht. „Wir haben das in Afrika so gelernt“, sagte die Mutter den Richtern. „Ich dachte damals, das sei das Beste für ihn.“

Striemen noch Wochen später zu sehen

Ihr Sohn habe ja schließlich auch wählen können: entweder Stubenarrest oder Stockschläge. Und Stubenarrest habe er nun einmal nicht gewollt. Kein Wunder, befand die Staatsanwältin. Schließlich habe der 16-Jährige zuvor schon wochenlang Stubenarrest gehabt. Außerdem sei die Entscheidung ja wohl eine „Wahl zwischen Pest und Cholera“ gewesen. Der Sohn selbst lebt heute nicht mehr in der Familie Er ist in einer Jugendeinrichtung untergebracht worden. Die Striemen auf seinem Rücken waren noch Wochen später zu sehen gewesen.

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