Purcells „Indian Queen“ war ein faszinierendes Opernspektakel

Konzerthaus Dortmund

Nur 50 Minuten Musik hat Henry Purcell 1695 mit seinem Opernfragment "The Indian Queen" hinterlassen, bevor er mit 36 Jahren starb. Regisseur Peter Sellars hat daraus ein faszinierendes, dreieinhalbstündiges neues Werk gemacht. Die Aufführung am Sonntagabend mit Teodor Currentzis und seiner MusicAeterna im Konzerthaus Dortmund war eine der intensivsten und dichtesten Aufführungen der 14-jährigen Konzerthaus-Geschichte.

12.09.2016 / Lesedauer: 2 min
Purcells „Indian Queen“ war ein faszinierendes Opernspektakel

In blauem, grünem, rotem und violettem Licht sangen und bewegten sich die Sänger neben Teodor Czurrentzis (l.).

Selten hat man ein großes Publikum erlebt, das so konzentriert und gebannt zuhört.

Radikal ist Sellars mit dem ursprünglichen Text umgegangen. Die Geschichte über den Kampf der Azteken gegen die Inka hat er komplett ersetzt durch Auszüge aus dem Roman "Die verlorenen Chroniken von Terra Firma" des nicaraguanischen Autors Rosario Aguilar, der von der Eroberung Zentralamerikas durch die Spanier erzählt.

Dass diese Texte live und sehr dramatisch hinten aus dem Parkett ins Mikro gesprochen wurden, machte den Abend noch theatralischer.

Gesamtkunstwerk von Peter Sellers

Die Musik in Sellars Gesamtkunstwerk aus Licht, Musik, Literatur und Bewegungschoreografien stammt ausschließlich von Purcell. Geistliche und weltliche Lieder des Briten hat er mit den Arien und Chören des Fragments ohne Brüche verwoben, dass oft nur an der kleineren Orchesterbesetzung auszumachen war, was original und was ergänzt ist.

Die Musik von Purcell ist von vollendeter Schönheit, hat riesige Tiefe und überwältigenden Gehalt. Vor allem in den A-cappella-Szenen des großartigen MusicAeterna-Chors oder in den gebetsartigen, balsamisch gesungenen Arien der Dona Luisa wird die Liebesgeschichte dadurch zur geistlichen Oper, die manchmal auch mit etwas orientalischem Parfum bestäubt ist.

Spektakulär spirituell

Hypnotisch ist diese Musik, die Currentzis elegant tänzelnd und wuselnd mit seinem tollen Orchester und wunderbaren Sängern so sensibel, detailreich und farbig auslotet hat und die Sellars mit Lichtdesigner Seth Reiser mit starken Bildern begleitet. Auch im Dunkeln, mit Effekten wie in der Laterna Magica, erzählt das Epos von Liebesnächten und Massenmord. Mystisch und magisch. Spektakulär und spirituell.

Mit Sellars und Currentzis haben sich zwei Idealpartner gefunden, die diesen Schmelztiegel zum Faszinosum machen.

 

Die weitere Konzerte der Porträtreihe Currentzis im Konzerthaus Dortmund:

  • Teodor Currentzis dirigiert am 15. 1. im Konzerthaus Dortmund die Wiener Symphoniker, unter anderem im Violinkonzert von Tschaikowsky mit Patricia Kopatchinskaja.
  • Mit MusicAeterna, Kopatchinskaja und Mozarts viertem Violinkonzert kommt er am 12. 3.

Tel. (0231) 22 69 62 00