Quadratschädel im Skulpturenpark

Waldfrieden Wuppertal

Der Skulpturenpark Waldfrieden wächst. Der Bildhauer Tony Cragg, dessen gemeinnützige Cragg-Stiftung den Park trägt, plant eine dritte Ausstellungshalle in der grünen Idylle hoch über Wuppertal.

WUPPERTAL

, 16.07.2015, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Quadratschädel im Skulpturenpark

Die „Dancing Figures“ (Tanzende Figuren) stammen von 1956.

"Wir hatten im letzten Jahr 54000 Besucher, in diesem Jahr werden es noch mehr", sagte Cragg gestern. Mit einer weiteren Halle - zwei gläserne Ausstellungsgebäude gibt es schon - will er die Besucherströme vor allem bei schönem Wetter entzerren.

Das neue Gebäude, dessen Baugenehmigung gerade eingetroffen ist, wird vom Architekten Rudolf Hoppe aus Wuppertal errichtet. Die Form der geplanten Halle sei unregelmäßig rund "wie ein angelutschtes Seifenstück", schmunzelte Cragg.

Plastiken von Henry Moore

Im nächsten Monat soll das Fundament im hinteren Teil des Parks gegossen werden. Schon im nächsten Jahr könnte dann das sieben Meter hohe und etwa 300 Quadratmeter große Gebäude eröffnen.

2016 wird es außerdem eine Ausstellung mit Plastiken von Henry Moore geben, dem wohl berühmtesten britischen Bildhauer nach 1945. Seine Gipsmodelle werden dann Aufschluss geben, wie Moores riesige Bronzeplastiken entstanden, die heute in der ganzen Welt zu finden sind.

Figuren wie Außerirdische

Der britische Bildhauer Lynn Chadwick (1914-2003) hatte allerdings zeitlebens unter der Vormachtstellung seines Künstler-Kollegen Henry Moore zu leiden. "Deswegen hoffe ich, dass das jetzt nicht auch passiert", seufzte Tony Cragg, als er gestern zugleich die Moore-Ausstellung ankündigte und die aktuelle Ausstellung mit Werken von Lynn Chadwick vorstellte.

Hier sei deshalb ausdrücklich betont: Die neue Chadwick-Schau  im Skulpturenpark Waldfrieden ist richtig sehenswert. Schon die drei 2,30 Meter hohen Kerle vor der Halle mit ihren gigantischen Quadratschädeln beunruhigen den Betrachter.

Figuren aus Bronze

Lynn Chadwick, der nie eine Kunstschule von innen sah und dennoch den Preis der Biennale von Venedig gewann, fand einen ganz eigenen Zugang zur menschlichen Figur: Er entwickelte sie aus Polygonen (Vielecken). Zuerst schweißte er ein Gerüst aus Metallstangen zusammen, das anschließend eine zerklüftete Hülle bekam. Eckige Blöcke bildeten Kopf, Ober- und Unterkörper.

Diese Figuren aus Bronze - oft sind es Paare - scheinen auf ihren zarten Streichholzbeinchen durch die Ausstellungshalle zu staksen oder über die Wiese an der Villa Waldfrieden zu tanzen. Ein bisschen erinnern sie an Aliens, wirken fremd und doch vertraut.

Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal: "Lynn Chadwick", Hirschstr. 12, 18.7.-18.10., Di-So 10-19 Uhr. Für Autofahrer: Wegen der gesperrten B7 den braunen Hinweisschildern folgen.