Quasse-Revue mit "Klimbim"-Klamauk

MARL Welch ein Desaster. Das Stück (vom altersmüden Arthur Miller): eine Anhäufung von Banalitäten zu Medienzynismus und impotenten Diktatoren.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 30.05.2008, 14:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Quasse-Revue mit "Klimbim"-Klamauk

<p>Diktator (Elisabeth Findeis) mit bandagierter Nichte (Ursula Renneke). Rothweiler</p>

Die Inszenierung ein erbärmlicher Versuch, mit der Brechstange Pointen herbeizuhebeln. Schauspieler wie Hampelmänner, die bis zur Peinlichkeit chargieren.

Claudia Bauers Quassel-Revue "Auferstehungsblues" markiert den bisherigen Tiefpunkt bei den Ruhrfestspielen. Drittklassiger Komödienstadl. "Klimbim" ohne Lacher vom Band.

Auf den Rängen bloß gequältes Kichern, weil die Möchtegern-Groteske in endlosen zwei Stunden keinen annehmbaren Gag abwirft.

Plappern in Sprechblasen

Klischeegeronnene Figuren plappern in Sprechblasen. Eine bandagierte Beinahe-Mumie ist die Nichte eines südamerikanischen Generals (Elisabeth Findeis in NVA-Uniform).

Ein starker Mann leidet an schwacher Männlichkeit: Puh, welch langer Bart! Der große Diktator will seinen Erzfeind hinrichten, einen Che Guevara-Revoluzzer, den die Bauern als Messias verehren. "Lichtgestalt" ist wörtlich zu nehmen, der für uns Unsichtbare kann gleißend leuchten. Ein Eisschrank übernimmt den Part.

Aufgepumpter Popanz

Geplant ist eine Exekution am Kreuz, ein Fernsehsender kauft die Rechte für die Übertragung. "Medienmarkt ist Menschenmarkt" schnattert es von der Bühne. Wohlfeile Medienschelte, die offene Türen einrennt und ein abgegrastes Terrain beackert.

Eine Werbefilmerin (unerträglich: Susana Fernandes Genebra) produziert sich als kieksiges Doofchen, während hinten das Kreuz aufgerichtet wird...

Was Arthur Miller schon plump zugehauen hat, wird von der Regie nochmals vergröbert. Resultat ist ein aufgepumpter Popanz, der sich für einen Knaller hält, aber nur laue Luft verströmt. - Man beneidet alle, die vorzeitig gehen.