Radwege vor dem Musikforum verschwunden

"Schildbürgerstreich"

Ende August wurde Bochum Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte. Dabei hat sie sich laut Klaus Kuliga, dem Vorsitzenden des ADFC Bochum, als solche soeben erst „total blamiert“. Grund für diese Aussage sind die plötzlich verschwundenen Fahrradwege vor dem neuen Musikforum.

BOCHUM

, 08.09.2016, 11:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Radwege vor dem Musikforum verschwunden

Auch gegenüber des Musikforums endet der Fahrradweg nun abrupt.

Der viel genutzte Radweg auf der Viktoriastraße ist Fahrradfahrern in Bochum seit langem ein Dorn im Auge. Schon vor 31 Jahren war er Thema im „Pilotprojekt Radwege- und Beschilderungsplan Bochum“, das NRW-Minister Christoph Zöpel in die Stadt geholt hatte: „Als Musterbeispiel für völlig verfehlten Radwegebau führten die Autoren den damals gerade neu gebauten Radweg an der Viktoriastraße an“, erinnert sich Klaus Kuliga vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

„Gerade diesen Radweg hat die Stadt mit den Baumaßnahmen für das neue Musikforum an der Viktoriastraße ‚verbessert‘. Und die Verwaltung hat es fertiggebracht, die Situation durch den Neubau des Radweges weiter zu verschlechtern. Aus schlimm wurde noch schlimmer.“

Abruptes Ende Obwohl der Bürgersteig vor dem neuen Musikforum an der Marienkirche durch bauliche Veränderungen breiter wurde, endet der rot gepflasterte Radweg davor nun abrupt. Genauso auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Stadt hat die Situation dadurch gelöst, dass sie vor beiden Teilstücken die Beschilderung „Gehweg, Radfahrer frei“ aufgestellt hat.

Stadtsprecherin Annika Vößing informiert: „Man darf auf der Straße stadtauswärts fahren. Weil dies auf der zweispurigen Viktoriastraße aber dem einen oder anderen Radfahrer je nach Verkehrs-/Stoßzeit zu Kfz-befahren sein könnte, darf man am Musikzentrum auch auf dem Gehweg Rad fahren." Warum die Stadt sich für diese Lösung entschieden hat, war am Mittwoch nicht zu erfahren.

Lücke klafft

Stadteinwärts haben die Straßenbauer sogar Teile des Radwegs verbessert – verbreitert und neu gepflastert – kurz bevor dann die Lücke klafft. Klaus Kuliga beschreibt das als einen „Schildbürgerstreich“. Laut Annika Vößing denke die Bauverwaltung für diesen Abschnitt jedoch über eine umfassendere Neugestaltung nach.

Genau diese fordert der ADFC für den ganzen Bereich: „Die Situation widerspricht diametral dem Gedanken der fußgänger- und fahrradfreundlichen Stadt“, so Klaus Kuliga. „Radfahrer werden auf dem Gehweg nur geduldet und müssen eigentlich Schritttempo fahren, die Fußgänger werden durch sie beeinträchtigt.“

Notlösung

Die Forderung des ADFC ist: „Für die Viktoriastraße wäre auf der ganzen Länge, von der Königsallee bis zum Rathaus und zurück, eine geradlinige, durchgehende, konfliktfreie Radverkehrsführung erforderlich. Und Radwege dürfen nicht auf Kosten der Fußgänger angelegt werden.“ Als Notlösung sei denkbar, dort alle Radwege aufzuheben und durchgängig die Beschilderung „Gehweg, Radfahrer frei“ aufzustellen.

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