Rätselhafte Bluttat: 31-Jähriger stirbt nach Messerattacke - War es Rache?

rnLandgericht Essen

Ein Mann wird in Essen Opfer eines Messerangriffs. Wochen später verstirbt er im Krankenhaus. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Doch die Tat bleibt rätselhaft.

Essen

, 22.05.2020, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine rätselhafte Bluttat beschäftigt seit Freitag das Essener Schwurgericht. Angeklagt ist ein Mann aus Guinea, der im Dezember 2019 einen Bekannten mit einem Messer angegriffen hatte – auf offener Straße. Die Staatsanwaltschaft spricht von Totschlag, der Angeklagte schweigt.

Die Ärzte hatten wochenlang um das Leben des Opfers gekämpft. Der 31-Jährige hatte sich noch bis zu den Stufen eines Geschäfts geschleppt, war dann zusammengebrochen. „Ruf einen Krankenwagen“, soll er einem Freund noch zugeraunt haben. „Ich habe überall Blut.“

Massive Stichverletzungen im ganzen Körper

Im Krankenhaus waren später massive Stichverletzungen festgestellt worden – an Kopf, Rücken und Körper. Die Milz war getroffen worden, eine Nierenarterie, der Brustkorb. Dem Opfer mussten mehrere Blutkonserven verabreicht werden. Am Ende war der Kampf der Mediziner dennoch erfolglos. Der 31-Jährige war rund fünf Wochen nach der Tat aufgrund eines Multiorganversagens gestorben, ausgelöst durch eine Entzündung.

Das spätere Opfer war mit einem Bekannten in Essen unterwegs, als der Angeklagte plötzlich auftauchte. „Er kam schnell auf uns zu“, sagte ein Zeuge, der bei dem Angriff ebenfalls ziemlich verletzt worden ist. Er hatte dem 31-Jährigen zu Hilfe kommen wollen und ins Messer gegriffen. Dabei waren mehrere Sehnen durchtrennt worden. „Danach wusste ich nicht mehr, was ich machen sollte“, so der Zeuge im Prozess am Essener Schwurgericht. „Ich hatte unwahrscheinlich Schmerzen.“

„Es war alles voller Blut“

Sein Bekannter hatte noch versucht zu fliehen, war aber nicht weit gekommen. „Der Angeklagte war auf ihm und hat immer wieder geschlagen.“ Ein Messer habe er nicht gesehen. „Es war aber alles voller Blut.“

Sein Bekannter habe richtige „Löcher“ im Rücken gehabt. Seine letzten Worte, bevor er in den Krankenwagen geschoben wurde, sollen so gelautet haben: „Ich kriege keine Luft.“

Die Hintergründe des Angriffs sind unklar. Der Angeklagte selbst war rund ein Jahr zuvor ebenfalls schwer verletzt worden. Dafür macht er nach Angaben des Zeugen offenbar den später Getöteten verantwortlich. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende Juni zu rechnen.

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