Raffinierte Musik war der rote Faden dieser „Ariane“

Brilliante Martinu-Oper

Am Aalto-Theater dirigiert Tomás Netopil derzeit die Oper „The Greek Passion“ von Bohuslav Martinu, in der Essener Philharmonie brachte er nun gestern und am Donnerstag im zweiten Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker den zeitgleich entstandenen, selten gespielten Operneinakter „Ariane“ konzertant zu Gehör.

ESSEN

, 09.10.2015, 14:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
Raffinierte Musik war der rote Faden dieser „Ariane“

Toimás Netopil dirigierte den selten gespielten Operneinakter „Ariane“ des tschechischen Komponisten Bohusláv Martinu.

Das Werk erzählt den Ariadne-Mythos, an Georges Neveux anknüpfend, als Dreiecksgeschichte zwischen Theseus, Ariadne und dem stierköpfigen Minotaurus, wobei Letzterer zum Doppelgänger des griechischen Helden wird oder, psychoanalytisch ausgedrückt, zu dessen triebhafter Seite. Was erklärt, dass Theseus nach der Ermordung des Minotaurus alle Lust an Ariadne verliert und fortsegelt.

Die exquisiten Essener Aufführungen in französischer Sprache verdeutlichten, wie sehr die 1958 komponierte und 1961 am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen (!) uraufgeführte Kurzoper dem Essener GMD ans Herz gewachsen ist. Netopil ließ seine Essener Philharmoniker sehr fein musizieren und blendete zugleich die drei Szenen und die sie umgebenden Instrumentalstücke kunstvoll ineinander.

Faszinierende Stimmen

Die neoklassizistisch und neobarock klingende „Ariane“ faszinierte vor allem durch ihre leisen Töne und die raffinierten Mischungen der Instrumente Harfe, Klavier, Celesta, Xylophon, Pauken und Trommeln. Die französisch-schlank singende Simona Saturová brillierte in der virtuosen Koloratursopranpartie der Ariadne (Ariane) und ging in ihrem abschließenden Klagegesang auch emotional total in ihrer Rolle auf.

Zoltán Nagy war ihr strahlkräftig-stählerner Theseus, der den Minotaurus des Baurzhan Anderzhanov schon stimmlich eindeutig in den Schatten stellte. Abdellah Lasri glänzte mit großer Präsenz und Klarheit in zwei Nebenrollen. Für alle, die „Ariane“ verpasst haben: Sie wurde mitgeschnitten und soll auf CD veröffentlicht werden.